Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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156 ehrlichen, überzeugungstreuen Hirsch noch mit irgend einem Anderen' gestritten. Mit Ausnahme einer einzigen Erklärung im Aprilhefte der Monatsschrift 1861, in welcher er die niedrige Verdächtigung mit stolzer Entrüstung zurückwies, hat Frankel die größte Zurückhaltung sich auferlegt, und auch diese eine Erklärung gereute ihn selbst kurz vor seinem Tode noch. Gestritten haben die Gegner uud die Freunde Frankens; es sind anonyme Artikel gegen und für ihn erschienen. In Monographien haben besonders Auerbach in Halberstadt und Samuel Freund in Prag gegen, Rapoport und Kaempf für ihn Partei ergriffen. Rapoport wollte ihn zur Selbstvertheidigung drängen, aber Frankel hielt es unter seiner Würde, gegen die Anklage der Ketzerei auch nur mit einem Worte sich zu vertheidigen. Und er bewährte sich auch dieses Mal mit seinem Schweigen als Weiser, besser und größer als Mancher mit seinem Reden; denn wenn er tatsächlich einer Verteidigung bedurfte, wie es ganz entschieden nicht der Fall gewesen, so hätte die Zeit es übernehmen müssen, ihm eine solche zu liefern. Ein Mann, der sein ganzes Leben hindurch dem Thora-Studium obgelegen, der alle seine tiefen und reichen Kenntnisse in den Dienst der Gotteslehre gestellt, ein Mann, der 20 Jahre lang keinen anderen Gedanken hatte, als ein tüchtiges Geschlecht glaubensstarker mit den Waffen der jüdischen Wissenschaft ausgerüsteter Rabbiner heranzubilden, ein Mann, der die hebräische, die talmudische Litteratur mit Meisterwerken bereichert hat, welche an die classische Zeit des Maimonides erinnern, ist über den Verdacht, daß er die Tradition untergraben hat, ebenso erhaben, wie es Maimonides gewesen. Man muß weit, sehr weit in der jüdischen Geschichte zurückgehen, um einen Mann zu finden, der ebenso auf der Höhe der modernen Zeitbildung, wie auf der Höhe talmudischer Gelehrsamkeit gestanden, in dem das reichste Wissen mit dem tiefsten Glauben sich paarte. Geschichtliche Parallelen, sind wohl immer etwas Gewagtes, aber wer Frankel nicht blos aus seinen Schriften und aus seinem Wirken kennt, wem es vergönnt war, ihm im Leben