Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 157

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Zacharias Frankel
Date
1902-01-01
Page
Seite 157 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111076-3113304--1357-3113477
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

157 näher zu treten und seine gottinnige Frömmigkeit zu beobachten, den mußte er an Nachmanides erinnern. Und in der That hatte Frankel, bei dem freilich der mystische Zug gänzlich fehlt, sehr viele Berührungspunkte mit Nachmanides, von dem er sich auch mächtig, weit mächtiger als von Maimonides, angezogen fühlte. Wie Nachmanides hatte auch Frankel kein anderes, kein höheres Ziel, als Wissenschaft und Glauben mit einander auszusöhnen; wie Nachmanides stand auch Frankel in der Mitte zwischen den aufts heftigste sich bekämpfenden Parteien. Ja, im Leben hat er zwischen den feindlichen Parteien gestanden, aber die Zeit, welche seit seinem Tode dahingegangen, hat ihn bereits zu solcher Höhe emporgetragen, daß er in seinem ununterbrochenen Wirken hoch über allen Parteien erscheint; in Deutschland wenigstens hat überall die Ueberzeugung sich durchgerungen, daß Frankel eine mächtige Libanon-Ceder, daß er für die ganze, ungetheilte Judenheit ein großer Segen gewesen. Frankel hat, wenn auch nicht die Wissenschaft des Judenthums neubegründet, so doch' den Talmud zu einer wissenschaftlichen Disciplin gemacht, und sein friedfertiger Geist wültet heute in Hunderten jüdischer Gemeinden. Frankel hat dafür Sorge getragen, daß der Cedernhain des deutschen Judenthums nicht auf immer verödet bleibe, denn er hat den Boden, in welchem die jungen Schößlinge Wurzel schlagen können, wieder urbar gemacht. Gewiß, der Nachwuchs ist heute ein noch sehr schwacher, der echte Frankellsche Holzschlag ist noch immer kein bedeutender, aber wir dürfen doch der Hoffnung leben, daß die unvergleichlich hohe Bedeutung Z. Frankens immer tiefer in das jüdische Volksbewußtsein eindringen und so der von ihm ausgestreute Same immer herrlicher aufgehen wird. Wenn die Vereine für Geschichte und Litteratur, wie bis heute, so auch in Zukunft das Licht historischen Wissens verbreiten werden, dann dürfte es nach wieder hundert Jahren keinen Juden geben, dem es unbekannt geblieben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.