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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 153

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Zacharias Frankel
Date
1902-01-01
Page
Seite 153 (sequence 14)
Language
German
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— 158 — sein Bewenden gehabt; denn solche Beschlüsse in Thaten umzusetzen, dazu fehlte der Muth, dazu fehlte den Parteien der feste Wille, sich zu einigen und zu verständigen. Nichtsdestoweniger begreifen wir es vollkommen, daß auch Frankel 1846 eine Rabbiner-Versammlung einberufen. Er war auf der einen Seite ein viel zu moderner Rabbiner, als daß er nicht bereit gewesen wäre, an berechtigten Reformbestrebungen den regsten Antheil zu nehmen, aber auf der andern Seite ein viel zu treuer Sohn seines Volkes, als daß er es geduldet hätte, die Axt an den Stamm legen zu lassen. Ihn vermochte Nichts zu erschüttern, oder auch nur zu beirren in der festen Ueberzeugung, daß ein anderes als das rabbinische Judenthum nicht bestehen könne, und daß es zu dessen Verjüngung nur ein einziges Mitttel giebt: die jüdische Wissenschaft. Er leistete darum seinem Volke den größten Dienst, indem er diese Wissenschaft bereicherte. 1851 gründete er die Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judenthums, deren Redacteur er bis 1867 geblieben ist. In demselben Jahre (1851) veröffentlichte er auch seine Schrift „lieber den Einfluß der palästinensischen Exegese auf die Alexandrinische Hermeneutik", die zu seinen Vorstudien zu der Seztuginta genau in demselben Verhältniß steht, wie der gerichtliche Beweis zu seiner Schrift über die Eidesleistung der Juden. So reifte er allmälrg zu der Führer-Rolle heran, welche die Vorsehung ihm von vornherein zugedacht hatte. Die Berufung Frankels zum Director des 1854 eröffneten jüdisch-theologischen Seminars in Breslau ist ein geschichtliches Ereigniß, dem heute Niemand mehr den hochbedeutsamen Charakter des Providentiellen absprechen kann. Nach Allem, was in Breslau seit dem Geiger-Tiktin'schen Streite vorgefallen, nach den Verhandlungen und Unterhandlungen, welche die Curatoren der Fränkelffchen Stiftungen Anfangs gepflogen, mußte man mit Bestimmtheit erwarten, es werde in Breslau eine theologische Fakultät eröffnet werden; als jedoch die Entscheidung nahete, ließ man sich nicht mehr von Partei-Rücksichten, sondern von den Interessen der jüdischen Gesammtheit leiten, und da konnte die Wahl auf keinen Andern fallen, als auf Frankel, So erhielten die deutschen

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