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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 149

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Zacharias Frankel
Date
1902-01-01
Page
Seite 149 (sequence 10)
Language
German
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149 warmen Herzen entströmt, die Seelen erleuchten und die Herzen erwärmen muß. Nicht überreden, sondern überzeugen^ nicht Herzen im Sturm erobern, sondern Geister und Gemüther auf die Dauer gewinnen, wollte Frankel mit seiner schlichten Rede, mit seinem schmucklosen Worte. Und das ist ihm nicht allein im Gottes- und im Lehrhause, sondern einige Male auch im Palaste der Fürsten und ihrer Räthe auf's glänzendste gelungen. Er hatte neben dem Muth der Ueberzeugung auch den Freimuth eines unbeugsamen, selbstständigen Charakters, und mit einer Offenheit, die ihres Gleichen sucht, erklärte er dem Prinzen Johann von Sachsen, daß die Juden trotz ihres sehnsüchtigen Verlangens nach voller Gleichberechtigung auch nicht ein Tüttelchen ihres traditionellen Glaubens preisgeben werden, um sich Bürgerrechte zu erkaufen, daß vielmehr der Talmud, an welchem die Juden ebenso wie an der Bibel festhalten, die sicherste Bürgschaft für ihre Liebe und Treue gegen König und Vaterland gewähre. Als die sächsischen Juden noch immer nicht zur Ausübung des im Lande erlernten Handwerks zugelassen wurden, und der Minister Jäckendorf der Ansicht Ausdruck gab, sie könnten ja anderswo das Handwerk betreiben, stellte Frankel die Frage an ihn, ob er als Vater die Liebe des eigenen Sohnes sich zu erhalten vermöchte, wenn er dem Sohne eine Erziehung angedeihen ließe, die ihm den Aufenthalt im Elternhause unmöglich macht. Ein anderer Staatsminister, welcher den Juden die Gleichberechtigung nur deshalb vorenthalten wissen wollte, weil sie im Besitz der Freiheit üppig und gottlos werden, mußte sich von Frankel die Frage gefallen lassen, ob man einen kranken, geschwollenen Körper etwa dadurch heilen könne, daß man ihn fest ein- und zusammenschnürt. Auch dem preußischen Cultusminister Eichhorn gegenüber hielt er, als es sich für ihn darum handelte, ob er der Berufung als Oberrabbiner nach Berlin folgen könne, keineswegs mit der Sprache zurück. Seine verschiedenen Eingaben an die sächsischen Kammern machten immer Eindruck und verfehlten schließlich ihre Wirkung nicht. Doch den glänzendsten Sieg hat Frankel mit seiner ersten wissenschaftlichen Arbeit, „Die Eidesleistung der Juden in theologischer und historischer Beziehung" im Jahre 1840 dem ganzen jüdischen Volke errungen.

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