Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 9)
- Language
- German
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148 Religionsunterricht der Juden ihm auseinanderzusetzen. Frankel entsprach diesem Wunsch auf's bereitwilligste, und seine Arbeit war eine so klare und lichtvolle, daß sie ihm den Weg zu dem Oberrabbinate Dresden-Leipzig bahnte. Zu seiner Berufung hat freilich auch der Rießer Sachsens wesentlich beigetragen, vr. Bernhard Beer, welcher schon seit 1829 den Kampf gegen die Feinde der Emancipation mit Erfolg führte und in zahlreichen Artikeln und mehreren Flugschriften, die gegen den Talmud und das rabbinische Judenthum erhobenen Anklagen mit Entschiedenheit zurückwies. In Dresden nun beginnt für Frankel die Zeit schöpferischen Wirkens und Waltens. Er hatte lange gesammelt, er hatte aber auch eine bewunderungswürdige Arbeitskraft erlangt; noch in seinen letzten Lebensjahren, noch kurz vor seinem Tode hat er mit Ausnahme einer Abendstunde, die er sich zur Bewegung in freier Lust gönnte, den ganzen Tag, der für ihn Sommers und Winters um 5 Uhr begann und um 10 Uhr endete, dem Studium gewidmet. Daß indeß diese Arbeitskraft schon in Dresden nicht allein in seelsorgerischer, sondern auch in litter. Richtung eine solch fruchtbare wurde, ist auf den Freundschaftsbund mit B. Beer, aber auch auf das innige Verhältnis zurückzuführen, in welchem er zur ganzen Gemeinde stand. Er war nicht blos, wie man zu sagen pflegt, beliebt in seiner Gemeinde, sondern er ward auch, wie man nicht zu sagen pflegt, geliebt von seiner Gemeinde. Und das bedeutet viel, sehr viel. Denn Frankel war kein Kanzelredner von Gottes Gnaden, und auch er hat sich niemals für einen großen Prediger gehalten. Aber er fand immer das rechte Wort, er verstand es, bei jeder sich darbietenden Gelegenheit den rechten Ton anzuschlagen. Er hat weder seine Zuhörer noch seine Hörer durch der Rede Gewalt mit sich fortgerissen; ebenso hat er es verschmäht durch Kunstmittel, durch künstlerische Behelfe zu entzücken; doch eines verstand er meisterhaft: in schlichter, ungekünstelter Rede zu überzeugen. Sein Wort hatte nichts Einschmeichelndes, nichts Packendes, und doch mußte man ihm zuhören, und doch hing man an seinen Lippen; denn man konnte sich des überwältigenden Eindruckes nicht erwehren, daß von diesen Lippen die Wahrheit fließt, jene Wahrheit, die, weil sie einer großen Seele, einem