Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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147 einem beneidenswerthen Wonnegefühl zurück, und mit Stolz erzählt er mir, ein fremder zugereister Gaon habe ihm, dem jungen Knaben nach einem kurzen Colloquium das Prognostikon gestellt, er werde einst ein Träger der Halachah, ein großer Lehrer in Israel werden. Bei einer solchen ausgiebigen Beschäftigung mit dem Talmud war der öffentliche Besuch eines Gymnasiums völlig ausgeschlossen' nichtsdestoweniger lernte Frankel bald nach seinem 16. Jahre Latein und Griechisch; maturirt jedoch hat er spät, erst in Budapest, wohin er als 23 jähriger Jüngling gegangen war, um dort die Universität beziehen zu können und Mathematik und Philologie zu studiren. Sechs Jahre hindurch lag er in Budapest seinen theologischen und philosophischen Studien ob; mit großer Vorliebe las er die griechischen und römischen Claffiker bei Prof. Schedius, dessen besonderer Gunst er sich zu ersteuen hatte, und wurde am 5. November 1830 zum Doctor promovirt. Zu gleicher Zeit erhielt er, wahrscheinlich von drei Autoritäten Ungarns, die rabbinische Autorisation; denn er bewarb sich bald nach seiner Rückkehr in die Heimath, um das Kreis-Rabbinat Leitmeritz, dessen Sitz in Teplitz war. Sein seltsamerweise in acht Sprachen abgefaßtes Gesuch an die Böhmische Statthalterei fand Ende Dezember 1831 seine Erledigung, und er trat schon nach einigen Wochen sein Amt an. Nicht tastend und zuwartend, sondern voller That- und Willenskraft waltete er seines rabbinischen Amtes, und mit festem kühnen Griff beseitigte er sofort den Schlendrian aus dem Gotteshause und aus der Schule. Teplitz war eine der ersten österreichischen Gemeinden, welche eines geregelten Gottesdienstes mit deutscher Predigt sich rühmen durften. Frankel beschränkte sich jedoch nicht aufs Predigen; denn kaum war er zwei Monate in der Gemeinde, hatte er auch schon einen Kreis junger und alter Männer um sich gesammelt, um ihnen tagtäglich Talmud-Vorträge zu halten. Vier volle Jahre, von April 1832 bis Mai 1836, wirkte Frankel in Teplitz, ohne literarisch hervorzutreten. Nichtsdestoweniger hatte er sich durch die in der Gemeinde und in der Schule erzielten Erfolge einen solch klangvollen Namen erworben, daß der sächsische Cultusminister das Ersuchen an ihn stellte, seine Anschauungen über den Gottesdienst und 10*