Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 7)
- Language
- German
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146 ob man Verwahrung dagegen einlegt, hier in Berlin, sie ist überall zu finden, wo man den Talmud mit pietätsvoller, von Hingebung getragener Liebe, aber zugleich auch mit streng wissenschaftlichem Ernst, mit historischem Sinn, mit kritischem Verständniß lehrt und lernt. Wenn wir das gottbegnadete Leben und das erfolggekrönte Wirken Zacharias Frankens an uns vorüberziehen lassen und es als Ganzes überschauen, so müssen wir sagen, Frankel der Talmudforscher, Frankel der Talmudjude hat das rabbinische Judenthum, über welches sogenannte deutsche Rabbiner sich lustig machen zu dürfen glaubten, von der Schmach befreit, mit welcher es durch Bosheit und Mißverstand bedeckt war, er hat den Namen Rabbiner, dessen sich die modernen jüdischen Prediger schämten, wieder in einen Ehrentitel umgewandelt. Das ist eine Lebensarbeit, ein Lebenswerk, auf das man sich nicht vorbereiten kann, das ist eine Sendung, zu der man von Gott berufen, das ist eine Aufgabe, zu deren Lösung man von der Vorsehung allmälig vorbereitet werden muß. Und in Wirklichkeit hat es ziemlich lange gedauert, bis Frankel auf den Plan getreten. Es giebt eben zwei Arten von Cedern, die eine mit kleinen Früchten, welche rasch wächst, und die andere, welche langsam wächst, dafür aber große Früchte trägt, und dieser zweiten Art gehörte Frankel an. Als Sproß einer alten durch Gelehrsamkeit und Opferfreudigkeit ausgezeichneten Familie, welche zwei Prager Oberrabbiner und eine stattliche Reihe von Parnassim und Stadlanim, namentlich während der Vertteibung unter Maria Theresia, zu den Ihrigen zählte, als Sohn wohlhabender Eltern hat Frankel eine äußerst sorgfältige Erziehung genossen. Selbstverständlich wurde er zuerst in Bibel und Talmud unterrichtet, um gleich nach der Bar-mizwah-Feier die Borttäge, welche die verschiedenen Jünger Ezechiel Landau's hielten, mit Erfolg hören zu können; aber er wäre andererseits kein echtes und rechtes Prager Kind gewesen, wenn er nicht schon frühzeitig auch Mathematik getrieben hätte. Später kam noch Französisch hinzu, wohl nur während der Mußestunden, denn der ganze Tag war dem Thorah-Studium geweiht. Noch als Siebziger blickte Frankel aus diese goldene Zeit des Knabenalters mit