Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 5)
- Language
- German
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144 jedwede Sophistik unmöglich macht, wäre sicherlich eine sehr gewagte, aber wer den talmudischen Geist kennt, kann und wird es nicht bestreiten, daß den Juden des 18. Jahrhunderts zur Aufnahme moderner Bildungselemente die Mathematik weit zweckdienlicher war, als die Philosophie. R. Bezalel Ranschburg, der eigentliche Lehrer Z. Frankens, war gewiß ein Mann alten Schlages, aber aus seinen kurzen und knappen Glossen zum Talmud weht uns doch schon Etwas wie mathematische Luft entgegen. So hatte das alt-neue Prag nicht allein den rechten Humus, sondern auch eine von allen ketzerischen Ansteckungsstoffen verschont gebliebene Atmosphäre,, also alle Vorbedingungen dafür, daß in ihm der Mann geboren und erzogen werden konnte, welchen die Vorsehung dazu auserkoren, nicht allein das Thorahstudium vor dem drohenden gänzlichen Verfall in Deutschland zu bewahren, sondern' auch der Talmudsorschung eine neue Richtung zu geben, ihr eine streng wissenschaftliche Grund- und Unterlage zu verleihen und sie so zum Erbe der kommenden Geschlechter zu machen. Ja, Zacharias Frankel war nicht blos einer der be-. deutendsten und hervorragendsten, sondern auch der gottbegnadetsten Männer, die das 19. Jahrhundert hervorgebracht hat. Das klingt aus dem Munde eines ehemaligen Frankel- Jüngers, der ich zu sein die Ehre habe, wenn schon nicht hyperbolisch, so doch vielleicht sonderbar, zumal Jenen, welche keinen Augenblick es vergessen, daß das Dreigestirn Leopold Zunz, Nachman Krochmal und Salomon Juda Rapoport den jüdischen Himmel des 19. Jahrhunderts beherrscht^ aber ich hätte nicht das Recht, mich dessen zu rühmen, ein treuer Schüler Frankens zu sein, wenn ich meinen verewigten Meister über Gebühr, oder gar aus Kosten Anderer zu verherrlichen mich unterfangen wollte. Gewiß sind Jünger ebenso geneigt, die Verdienste des Lehrers zu vergrößern, wie Kinder die Tugenden ihrer Eltern zu verhimmeln, aber es ist etwas Anderes, ob das Wort aus einem von Schmerz und Trauer erfüllten Herzen sich auf die Lippen ringt, und wieder etwas Anderes, ob man mit dem Wonnegefühl freudiger Dankbarkeit von einem längst verklärten Theuren redet. Äm 16. Februar werden es 27 Jahre sein, daß wir unfern theuren