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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 141

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Zacharias Frankel
Date
1902-01-01
Page
Seite 141 (sequence 2)
Language
German
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141 oder ob er den angedeuteten Zusammenhang gekannt und in Wirklichkeit es geahnt hat, daß mit der Einäscherung des Jerusalemischen Tempels der Libanon seine Pracht verliehen werde, ist eine Frage, die wir um so leichter aus sich beruren lassen können, als es ja eine weltbekannte Thatsache ist, daß seit der Zerstörung Jerusalems, seit der Verödung Palästinas auch die Ceder auf dem Libanon im Aussterben begriffen ist. Der sogenannte heilige, Salomonshain besteht zwar noch aus nahezu 400 Stämmen, aber von den mehrere Jahrtausende alten Cedern-Riesen, deren man noch vor einem Viertel-Jahrhundert dreizehn zählte, sind heute blos sieben vorhanden, so daß man mit mathematischer Gewißheit annehmen kann, am Ende des 20. Jahrhunderts wird die Riesenceder verschwunden sein. Verschwunden, nicht von der ganzen Erde, sondern blos vom Libanon, denn schon zu Anfang des 18. Jahrhunderts hat man Versuche gemacht, die Ceder nach Europa zu verpflanzen. Versuche die in England, in Frankreich und am Rhein auf's glänzendste gelungen sind. — Diese naturwissenschaftliche Thatsache enthält für den jüdischen Stamm einen erhebenden und beseligenden Trost, denn sie verkörpert den durch Jahrtausende von unseren Ahnen festgehaltenen Glauben, daß überall, wohin Israel auf dem Erdenrunde verpflanzt wurde, jene in den Himmel ragenden Geistes- und Charakter-Größen gedeihen können, für welche der jüdische Volksmund keine bessere und passendere Bezeichnung finden konnte als: die Cedern des Libanon. Und daß dieser Glaube unserer Ahnen, welcher am Ende des 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts durch unleugbare Thatsachen eine gewaltige Erschütterung erfahren, uns nicht abhanden gekommen, daß er uns heute zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder von Neuem mit Muth erfüllt, istdas unsterbliche Verdienst des Mannes, dem die heutige Centenar-Feier gilt, das Verdienst Zacharias Frankels s. A., der, um es gleich herauszusagen, die jüdische Religionswissenschaft, die tiefgesunkene Thora-Forschung wieder zu Ehrengebracht hat. Während des ganzen langen, finstern Mittelalters hatte überall, wo die Thora eine Heimstätte, auch die Ceder einen Nährboden gefunden, denn die mächtigen Fürsten der Thora,

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