Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 1)
- Language
- German
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Gedächtnißrede bei der vom Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Berlin veranstalteten Centenar-Feier im großen Saale der Gesellschaft der Freunde am 1. Oktober 1901 gehalten von Hrof. Dr. Köoff Kchwar?, Rector der isr.-theol. Lehranstalt in Wien. Hochgeehrte Festversammlung! Auf dem malerischen Gebirge des Libanon wächst heute noch, wenn auch nur kümmerlich, ein Baum, dessen Ruhm einst die Welt erfüllte. Die Ceder mit ihren selbst zur Winterszeit grünen Nadeln, mit ihrer breiten, schirmförmigen Krone wurde im grauen Alterthum weit über die Grenzen Palästinas hinaus der bedeutsamste und ehrwürdigste Baum der ganzen Erde genannt. Zwischen dieser Ceder, welche vor Jahrtausenden in großen Wäldern die verschiedenen Rücken des Libanon bedeckte, und dem Tempel zu Jerusalem, bei welchem sowohl das erste, als auch das zweite Mal Cedernholz zur Verwendung kam, bestand ein tiefer, geheimnißvoller Zusammenhang. Fast hat es den Anschein, als reichten die Wurzeln der Libanonceder bis zum Berg Moriah, als zögen sie aus dem Grund und Boden, auf welchem der Salomonische Tempel stand, ihre nährenden, belebenden Säfte. Ob der redegewaltige Prophet blos ein kühnes Bild gebraucht, wenn er sagt, der Libanon werde durch einen Mächtigen fallen.