Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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138 die um das Hochgericht aufgestellten Truppen befehligte, die Trommeln rühren. Nun bemächtigte sich seiner der Nachrichter mit seinen Henkersknechten; sie schleppten ihn, der sich verzweifelt wehrte, mit Gewalt unter den Galgen; hier machte es ihnen noch viele Mühe, bis sie ihn in den Käfig gesperrt und in demselben die Schlinge ihm um den Hals gelegt hatten. Noch unter dem Galgen rief er laut, wie auf dem Wege: „Adonai Elohenu Adonai Echad!" Mit dem Schemagebet auf den Lippen starb das arme Opfer mittelalterlicher Staatsraison, persönlichen Hasses und schnödester Unduldsamkeit. Das gute Herz, welches Josef Süß Oppenheimer eigen war, verleugnete er auch in seinem Testament nicht, in welchem er für jüdische Wohlthätigkeitszwecke rc. namhafte Summen vermachte. Sein grauenerregendes Ende erweckte bei seinen Glaubensgenossen Mitleid und lange noch nach seinem Tode wurde der 4. Februar in manchen Gemeinden als Buß- und Fasttag begangen. Für die Ruhe seiner Seele stifteten viele Söhne Israels das „ewige Licht" in seiner früheren Wohnung, dem späteren Katharinenstift, in Stuttgart. Nach seinem Ableben erschien eine kleine Flugschrift über ihn in hebräischer Sprache, betitelt: „Relation wegen des seligen Josefs Süßen Abschied von der Welt", die namentlich viel in süddeutschen Gemeinden verbreitet war; dort hieß es u. A.: „Wisse, daß ein Mann in der Stadt Stuttgart im Württemberger Land gewesen ist, welcher gar sehr nach seiner Hoheit, seinem Reichtum und seiner Klugheit zugenommen hatte. Er ist genannt worden Josef Süß. Er war beim Fürsten Karl Alexander sehr mächtig, seine Macht und Herrlichkeit hat täglich zugenommen. Diesen Tag aber, als abgemeldeter Herzog gestorben war, gleich in derselben Nacht hat man auf herrschaftlichen Befehl den Süß gefangen genommen und ihm eiserne Ketten angelegt. Er hat in der Gefangenschaft auf der großen Festung Hohenasperg unter der Wacht von Soldaten 11 Monate zugebracht. Nun ist in der ganzen Welt sein Lebenslauf vor Gott und Menschen bekannt, aber