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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 139

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Josef Süß Oppenheimer
Date
1902-01-01
Page
Seite 139 (sequence 30)
Language
German
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139 die Zeit seines Gerichtstages und seines Ausgangs aus der Welt muß man zuerst kund machen und seinen Namen bekannt machen, daß er genannt werde unter allen jüdischen Gemeinden. Der heilige „Josef Süß, des seligen Rabbi Jsachar Süßkind Oppenheim Sohn" und seine Seele ist ausgegangen auf den heiligen Namen Gottes mit dem Worte „Echad". Es soll darum seine Seele im Gan Eden mit anderen Frommen und Bußfertigen ruhen. Und wegen des guten Werks, daß er in völligem Glauben verschieden ist und eine herzliche Reue über seine begangenen Sünden gehabt hat, sollen weder wir noch andere Juden seiner, bis unser Messias kommen wird, zum Bösen gedenken. „Am Vorabend des heiligen Sabbats, an welchem man den Abschnitt Beschalach liest, hat man ihm den Tod angekündigt und das Leben abgesagt. Gleich daraus sind die Cumarien (eigentlich Kahlköpfe) in sein Zimmer gekommen und wollten ihn von seinem Glauben abwendig machen; darauf ist der Selige vor die Cumarien getreten, mit aufgehobenen Händen zu ihren Füßen gefallen und hat mit der größten Ehrerbietung gesagt: „Ihr Herren, was Ihr Euch vielleicht einbildet, von mir zu erlangen, so bitte ich Euch, spart Eure Reden. Begebt Euch vielmehr in Eure Häuser zurück und stört mich nicht in meiner Andacht, weil ich nicht mehr viel Zeit übrig habe, mich mit meinem Gotte auszusöhnen." Das ist auch geschehen. Am Sonntag darauf hat er ein Gebetbuch und andere Bücher verlangt — Tephillah von Rabbi Michel und Tickon Chazoth Lajla —, welche man ihm auch zuschickte. Er legte die ganze Beichte ab und betete zu dem gebenedeiten Gott mit tiefer Rührung ..." Es war kein Meisterstück von Wilhelm Hauff, daß er, ein Schwabe des aufgeklärten 19. Jahrhunderts, in seiner Novelle: „Jud Süß" den Unglücklichen lediglich als das verkörperte böse Prinzip hinstellte, ohne dessen Lichtseiten zu berühren und den kulturhistorischen Hintergrund für die Schuld von Süß zu beachten. Mehr Gerechtigkeit, ihr Herren! Das Wort: „Justitia fundamentum regnorum“ gilt vor allem für den Geschichtsschreiber, wird aber leider von ihm nicht immer beachtet. Alles begreifen, heißt Alles verzeihen!

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