Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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137 Am 29. Januar 1738 wurde dem Delinquenten auf Hohen-Asperg eröffnet, daß er sich für den nächsten Morgen zur Reise nach Stuttgart bereit halten sollte. Er, welcher nie und nimmermehr glauben mochte, daß man ihn zum Tode verurteilen und hinrichten würde, war der festen Ansicht, der Tag seiner Befreiung sei endlich angebrochen und daß sich nun die Thore seines Kerkers öffnen. Daher war er voll Freuden und froh bewegt. Am 30. Januar schmückte er sich deshalb mit seinen prunkvollsten und reichsten Gewändern zur Rückkehr in die Residenz. Wieder erschien er als der Grandseigneur vor einem Jahre, als noch ganz Württemberg vor ihm im Staube lag. Im roten Frack mit Goldstickereien und Goldbordüren sah er noch immer sehr gut aus, wenn auch zum Skelett abgemagert und blaß wie der Tod! . . . Aber bald sollte ihm die betrübende Gewißheit werden, daß es für ihn keine Rettung mehr gebe. Er wurde in das sog. „Herrenhaus" oder „Herrschastshaus" gebracht, dann vor das Richterkollegium geführt; dort wurde ihm das Todesurteil bekannt gegeben, mit dem Bedeuten, daß er sich auf den vierten Tag zum letzten Gang bereit halten solle. Der Tag des Gerichts war gekommen. ' Am Dienstag, den 4. Februar 1738, wurde das hochnotpeinliche Halsgericht gehegt. Etwas nach IO Uhr Vormittags wurde er zu seinem letzten Gang die Treppe des Herrenhauses herabgeführt und auf den Schinderkarren gesetzt. Er trug ein verblaßtes, zerfetztes Scharlachkleid mit Sammt besetzt, weiße Strümpfe, Perrücke und Zopf. Unter den, wie gesagt 12000 Zuschauern, die der Exekution beiwohnen wollten, befanden sich neben dem Pöbel auch Prinzen, Grafen, Freiherrn und Generale, mit denselben pöbelhaften Gesinnungen, den Beklagenswerten mit beschimpfenden Redensarten traktierend. Neben dem Gefesselten saßen rechts und links die Henker mit Weinkrügen in der Hand, denen sie tüchtig zusprachen und wobei sie höhnisch aus seine Gesundheit tranken. Vor dem Galgen verlor Süß seine bisherige Fassung; die Kräfte versagten ihm den Dienst; aber schnell ermannte er sich und wollte angesichts des Todes vor dem stumm um ihn stehenden Volk noch reden, doch ließ der Osfizier, welcher