Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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136 Gott strafe die Richter! Ich tröstete ihn damit, daß er ja ein „Kadosch" sei, wenn er unschuldig sterbe, aber er meinte, das sei ein schlechter Trost ... - Süß: „Aeußerlich war ich ein Goi, aber innerlich immer ein Jude. .Mein Großvater ist ja der größte Chasan in Frankfurt a. M. gewesen"'). Unvergeßlich bleibt das Wort, welches Süß einem anderen hochstehenden evangelischen Geistlichen auf dessen fortgesetzte 'Bekehrungsversuche erwiderte: „Religion ändern ist Sache eines freien Menschen und steht gar übel an — einem Gefangenen."^) In seinen letzten Tagen kamen auch auswärtige Glaubensgenossen zu Süß, in der Absicht, ihn mit großen Summen loszukaufen; doch erreichten sie ihren Zweck nicht, wohl aber wurde ihnen gestattet, den zum Tode Verurteilten zu sehen. Nach der Sage soll unter diesen Besuchern auch derjenige Rabbiner gewesen sein, der ihm bei der Beschneidung seine Schicksale prophezeihte — eine Prophezeiung, die sich unter Süß nachgelassenen Papieren fand. Beim Abschied legte der alte Rabbi tief erschüttert seine Hände segnend auf Süß' Haupt?). Noch auf dem Wege zum Schaffott verfolgte ihn die wilde Bekehrungswut fanatischer Pfaffen. Auf seinem letzten Gang sprach der Unglückliche immer hebräische Gebete und rief den Namen des Gottes Israels an; die Geistlichen wollten ihn zwingen, zu Christus zu beten, doch war seine stereotype Antwort immer: „Ich lebe als Jude und sterbe als Jude! "4) Trotz alledem probierten die eifrigen Proselytenmacher stets von Neuem an ihm ihre Kunst in Gegenwart einer das Hinrichtungsschauspiel sehnsüchtig erwartenden Menge von 12000 Zuschauern. Als alles nichts half, rief ein Glattgescheitelter entrüstet und betrübt: „So fahre denn hin und such den, in welchen du gestochen hast!" Wir eilen zum Schluß, zur barbarischen Hinrichtung, deren Art und Form jener Zeit stets zur Schande gereichen wird. 1) Jüdisches Volksblatt, 1862, S. 3l! 2) Zimmermann, S. 128. 3) A. a. O. S. 129. 4) Kohut, Gesch. deutschen Juden, S. 670.