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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 135

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Josef Süß Oppenheimer
Date
1902-01-01
Page
Seite 135 (sequence 26)
Language
German
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135 ihm endlich der Besuch von zwei jüdischen SchrifLgelehrten gestattet. Um jedoch die Unterhaltung mit denselben zu kontrollieren, erhielt der Professor Bernard — ein getaufter Jude — aus Tübingen den Befehl, den betreffenden Unterredungen beizuwohnen. Wie so viele Convertiten war auch Bernard ein fanatischer Judenfeind, und der gehässige Bericht, den er der Kommission abstattete, läßt erkennen, mit welcher Verachtung der zum Tode Verurteilte seine ihn so peinigenden Seelenretter behandelte, und daß keine Überredungskunst es vermochte, ihn zum Verräter an seinem Glauben werden zu lassen. Bernard referierte seiner Behörde u. A. das Folgende: „Ich habe einen schwebenden Totenkörper getroffen, mit dichtem, schwarzem Bart, die Augen wie ausgelöschte Kerzen, das Haar struppig, das scharlachrothe Ueberkleid in Fetzen. Hier unsere Unterredung: Süß: Sie kennen mehr Hebräisch als ich; der Herr soll aber wissen, daß ich mich resolvirt habe, als ein Jude zu sterben. Geht weg, ich will keinen Galach, ich will Euch 30 Mal die Füße küssen, aber in Religionssachen gebe ich kein Gehör. (Dabei rief er immer ZDL? re.) Bernard: Was schmäht er die Comission? In Eurem „Unessane tokef" ist ja bestimmt, ob und wie Ihr sterben sollet. Süß: Auch die Nahrung ist bestimmt, deshalb darf sich doch Niemand aus Faulheit in's Bett legen. Bernard: Bedenkt doch, wie gefaßt Agag war! Süß: Ja, Agag hat mit seinem Tode Alles hinter sich gehabt, ich aber bin theilhaftig des ewigen Lebens und muß mich meines Lebens wehren . . ." In einem anderen Bericht Bernards an die Commission heißt es: „Bernard: Ich traf chn, wie in Jalkut Obedia von Chan steht, zwar nicht mit Talith, aber mit Tephilin, die Beichte lesend, da er gerade Fasttag und seines Vaters Gedächtniß hatte. Er schmähte und lästerte die Commission, und als ihm die Todesursache verschwiegen wurde, tobte und raste er eine Stunde lang im Zimmer umher und rief immer:

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