Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 25)
- Language
- German
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134 Prozesse) verordneten iudicio criminali (Kriminalgericht) hierunter, wie auch quoad modum exigendi (über die Art der Hinrichtung) das Weitere bereits per Reseriptum — durch Reskript — intimiren (mittheilen) lassen. Decretum Stuttgart den 25. Januar 1738 Carl Rudolf." Neben der Grausamkeit seiner Untersuchungsrichter und Kerkermeister quälten ihn auch die Heuchelei und der Fanatismus der zu seiner Bekehrung abgesandten Geistlichen. Standhaft und beharrlich wies er aber alle diese Angriffe auf die Religion seiner Väter zurück. Auf Hohenasperg erschienen bei ihm der Repetent Hoffmann und der Diakonus Heller, um seine Seele zu retten. Diese frommen Herren haben unmittelbar nach der Hinrichtung des Angeklagten eine Broschüre über ihre „Heldenthat" herausgegeben*) und derselben entnehme ich die nachstehenden, für die Proselytenmacher bezeichnenden Daten in Form eines Dialogs zwischen Süß und Hoffmann: „Hoffmann: Nun es geht immer näher dem Ende zu, ich hoffe dennoch. Er werde eilen und seine Seele retten. Jud: Sie stören mich in meiner Andacht, die ich in dem Tephilot habe; ich habe Sie ja gestern fußfälligst gebeten, mich in Ruh zu lassen. Hoffmann: In der Andacht wolle ich Ihn nicht stören, sondern vielmehr mit chm betten^) aus dem Psalter und denen Propheten; bemühte mich sonderlich aus der mitgenommenen ebräischen Bibel das Gebett Danielis cap. 9 Ihme zu recommandiren, in der Absicht, Ihn hernach gelegentlich auf die Weissagung von den 70 Wochen zu bringen, allein der Jud: wollte sich absolut nicht mit mir einlassen, fiel auf die Kniee nieder und sagte: er stehe nimmer auf, bis ich gehe, wolle mich auch nicht hören." In seinem Unglück erinnerte sich Süß endlich des Gottes Israels und suchte Trost im Gebet; keine lutherischen Geistlichen wollte er um sich haben, sondern Rabbiner, um aus ihrem Munde das Gotteswort zu vernehmen. Nach vielen Eingaben wurde 1) Eßlingen, 1738. 2) Zn der Schreibweise Hoffmanns.