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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 124

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Josef Süß Oppenheimer
Date
1902-01-01
Page
Seite 124 (sequence 15)
Language
German
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124 bestätigt. Zuerst wurde er in seinem Hause in Privathaft gehalten. Hier wurden ihm Stock und Degen abgenommen, man untersuchte ihn bis aufs Hemd und nahm ihm seine Juwelen ab. Und nun ging mit hoher obrigkeitlicher Erlaubnis die Hetzjagd gegen die Inden los — arrangiert vom höheren und niederen Pöbel. Man trieb die geängstigten Juden aus ihren Häusern und durch die Gassen, man stöberte sie in ihren Verstecken auf, man schleppte sie aus die Hauptwache und hänselte sie dort, sperrte sie hinter einen heißen Ofen, mißhandelte sie, nahm ihnen ihr Geld ab, rieb ihnen die Zähne mit Speck ein, ließ sie entwischen und fing sie wieder auf, bis man sie mit Ausnahme einiger zur Kriminalhaft abgeführter Individuen in Freiheit setzte. Und diese Armen hatten mit Süß nie sympathisiert, einige von ihnen hatten im Gegenteil den Mächtigen oft und laut verwünscht!*) Im ganzen Lande erschienen alsbald nach der Verhaftung von Süß zahlreiche Flug- und Schmähschriften, welche die öffentliche Meinung gegen ihn einzunehmen trachteten und nebenbei den Judenhaß schürten. So wurde z. B. ein Stuttgarter „Extraktschreiben" in unzähligen Exemplaren verbreitet, worin des Juden Süß Oppenheimer „böse Anschläge und dessen nach unvermutetem Todesfall des Herrn Herzogs erfolgte Gefangennehmung mit seinem Anhang" drastisch geschildert wurde-). Zur Charakteristik des aufreizenden und gehässigen Inhalts dieses Pasquills mag hier nur der nachstehende Passus wiedergegeben werden: tarnen vor KcheM Kefröent Hvö AD. Jud Süß, wie hat dein Nam' so plötzlich sich mutieret, Der vorher Excellenz, nun aber Filou heißet! Was vor Verhängnis hat, o Mauschi, dich gerühret, Daß schon zu Grunde sinkt dein hoher Judengeist? Wie unglückselig war vor dich doch diese Stunde, Als ein so tapffrer Mann dich in Arrest gebracht! Wie bald zerbrach doch Gott den vorgehabten Bundes, *) Vgl. meine „Geschichte der deutschen Juden", Berlin, S. 669, und „Jüdisches Volksblatt", 1862, S. 29. 2) 8 S. in Gr. 8, im Besitze des Herrn Wolf in Dresden, mir gütigst zur Verfügung gestellt. 3) So im Original.

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