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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 123

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Josef Süß Oppenheimer
Date
1902-01-01
Page
Seite 123 (sequence 14)
Language
German
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123 Ich will darüber nicht rechten, ob in Hinsicht auf das Absolutorium des verstorbenen Herzogs, und da Süß nur ein vor dem Gesetz nicht verantwortlicher Handlanger seines Herrn war, die Verhaftung und spätere Justifizierung des Unglücklichen gerechtfertigt war und ob auch der Fall Süß nicht gleichfalls zu den Kabinets- und Justizmorden gehörte, an denen Deutschland in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts so reich war — so viel steht geschichtlich und aktenmäßig fest, daß sich bei diesem Anlaß die ganze menschliche Bestialität des Pöbels, der Fanatismus lutherischer Priester, die Borniertheit gelehrter Richter und all' jene grauenerregenden Ausschreitungen des Judenhasses, welche Israel schon so viel Jammer und Elend zugefügt, in der entsetzlichsten Weise zeigten. Der „Jud Süß" hat gewiß viel gesündigt, aber unwillkürlich empfindet man tiefes Mitgefühl mit chm, wenn man sieht, wie beispiellose Bosheit, raffinierte Niederträchtigkeit und widerliche. Heuchelei sich vereinten, um in dem Opfer einer korrupten Regierung zugleich auch das Judentum ins Herz zu treffen. Vom ersten Augenblick seiner Verhaftung bis zu seinem schimpflichen Tode bot er das Bild eines mit den ausgesuchtesten und ausgeklügelten Qualen bestraften Märtyrers. Dasselbe Martyrium machte aber zugleich auch das württembergische Judentum durch, welches in seiner Gesammtheit für die Fehler und Verbrechen eines Einzelnen büßen mußte. Das abstoßende Bild dieses Finanzkünstlers erhielt nach seinem Fall gewissermaßen eine Verklärung durch sein mannhaftes und charaktervolles Verhalten den elenden Seelenfängern und Proselytenmachern gegenüber, welche den wehrlosen, siechen Mann unter allerlei Vorspiegelungen und mit dem ganzen Aufgebot heuchlerischer Phrasen seinem Glauben abtrünnig machen und in den Schoß der christlichen Kirche locken wollten! Er gönnte diesen listigen Schleichern den Triumph nicht — und so endet denn diese Tragödie des Verfolgungswahnwitzes mit einem einigermaßen versöhnenden Abschluß. Verfolgen wir nun die einzelnen düsteren Stadien dieses erschütternden Trauerspiels . . . Die durch den Oberstburggrafen von Röder vorgenommene Verhaftung von Süß wurde später von dem Geheimen Rat

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