Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Vermieten von Masken beschäftigte er sich, und damit diese jährlichen Karnevalsfeste fleißig besucht werden, erging ein Befehl des Herzogs an seine Beamten, daß sie alle ihre heiratsfähigen Töchter bei Strafe.'des Verlustes einer vierteljährlichen Besoldung auf dieselben schicken mußten*). . Sogar mit Kleinigkeiten, die Geld einbrachten, gab er sich ab; so z. B. verbot er den Lederhändlern in Reutlingen, Eßlingen und Weil den Handel mit Kalbfellen außer zu Jahr- und Wochenmärkten, patentierte den Verkauf von Juchtenleder und untersagte den Fleischern, die rohen Häute an Auswärtige zu verkaufen, um auch diesen Erwerb sich tributpflichtig zu machen. Eine sinnliche Natur, üppig und schwelgerisch, trieb er einen fürstlichen Aufwand und huldigte in maßloser Weise Baccho und Veneri. Die pomphaften, plänzenden Feste und Aufzüge, die er veranstaltete, erregten begreiflicher Weise den Neid der ärmeren Volksklassen, und die Summen, die er für Maitressen, Sängerinnen, Opern, Komödien, Bälle rc. verschwendete, waren kolossal. Die Landstände erhoben zwar von Zeit zu Zeit Vorstellungen beim Herzog gegen das Gebühren seines Günstlings, aber der Herrscher wollte davon nichts wissen, denn für ihn war Süß ein unschätzbares Juwel, ein Zauberer, der alles zu Geld verwandelte. Uebrigens umbuhlten den Favoriten Karl Alexanders, solange der letztere lebte, die Reichsten, Vornehmsten und Einflußreichsten. Man umschmeichelte ihn, feierte ihn in Gedichten und erlabte sich an seiner wohlgeratenen Tafel. Als später dem Freund der Jesuiten, Baron von Remchingen, welcher im Geheimen die Verfassung Umstürzen wollte, der Vorwurf gemacht wurde, daß er so viel im Hause des Süß und an dessen Tisch gesehen worden sei, erwiderte er höhnisch, man solle ihm unter den Räten und Beamten in Württemberg Einen zeigen, welcher nicht zugleich mit ihm dort getäfelt habe^). Der Herzog bewahrte ihm unerschütterlich sein Vertrauen, ja er trug sich sogar mit dem Gedanken, ihm als Zeichen seiner Huld in den erblichen Adelstand erheben zu lassen. In diesem Sinne schrieb er unter dem 24. Dezember 1735 1) Zümnermann, S. 77. 2) A. a. O., S. 80.