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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 119

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Josef Süß Oppenheimer
Date
1902-01-01
Page
Seite 119 (sequence 10)
Language
German
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119 Seit dem Jahre 1734 hatte Josef Süß Oppenheimer die Münze gepachtet, doch war das Geld, welches der Pächter prägte, noch immer das beste unter allen Scheidemünzen der vielen deutschen Fürsten und z. B. mit den Münzen, welche später der Münzjude Beitel Ephraim in Berlin prägte, in keiner Weise zu vergleichen. Das württembergische Kleingeld war in ganz Deutschland gesucht und wurde mitunter, nach damaligen Anschauungen, zu gut ausgeprägt, so daß sich der Münzagent Leining von Frankfurt a. M. in einem Schreiben beschwerte, „die halben Guldenstücke fallen zu schwer aus, so daß fast kein Profit dabei sei."i) Daß Süß, wenn er auch in erster Linie die Interessen des Herzogs im Auge hätte, dabei nicht zu kurz kam, kann man sich denken, denn er ~ huldigte stets dem Grundsatz, welchem ein anderer Finanzmann, David Hansemann, ein Jahrhundert später Ausdruck geben sollte: „In Geldsachen hört die Gemütlichkeit auf." Seine zahlreichen Finanzpläne waren für seinen Herrn immer gewinnbringend. Ueberhaupt war er durch Glück und Klugheit in seinen Operationen begünstigt; sein Genie zeigte sich zuweilen in geradezu verblüffender Weise. Leider ließ er sich auch zu verschiedenen unlauteren und verdammenswerten Handlungen verleiten, nur um dem Lande Geld zu erpressen. So errichtete er z. B. ein sog. „Gratialamt", bei welchem die Beamten auf's Neue ihre Stellen kaufen mußten; das ihm übertragene Fiskalamt mischte sich in die Rechtspflege, die dadurch käuflich wurde. Das Vermögen der Minderjährigen und Waisen wurde einem Pupillenamt übertragen, welches Taxen auf Testamente und Inventuren legte, bei den Teilungen nach Willkür verfuhr und so unerhört hauste, daß die Landschaft sich, aber vergebens, darüber beim Herzog in bitteren Worten beklagte. Zahlreiche Monopole und Landessteuern, wie der Handel mit inländischen Weinen und Salz, der Verkauf von Spielkarten, die Verpachtung der Kaffeehäuser und Spielbanken, die Besteuerung des Tabaks und des Vermögens u. s. w., füllten fortwährend die herzoglichen Kassen. Selbst mit dem i) Württembergische Geschichte, von Eugen Schneider, S. 34.

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