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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 118

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Josef Süß Oppenheimer
Date
1902-01-01
Page
Seite 118 (sequence 9)
Language
German
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118 Herzogs zu ihm und dessen Haß gegen alle, die seine Pläne nicht unterstützten. Sobald Süß das Heft in Händen hatte, verlor er jede Mäßigung, jedes diplomatische Geschick. Er wurde herrschsüchtig, übermütig, und da die meisten Beamten und sonstigen abhängigen Leute sich ohne Rückgrat zeigten, behandelte er sie mit ausgesuchter Rücksichtslosigkeit. Sie fürchteten ihn schließlich fast mehr noch als den Herzog. Bei dem Kriminalprozeß, welche der gestürzten Größe später gemacht wurde, sagte ein Zeuge u. A. aus, „wenn Süß befohlen, so seien die Räte im vollem Sprung daher gekommen, so daß, wenn Serenissimus es befohlen, sie nicht geschwinder hätten laufen können." Beim kleinsten Widerspruch drohte er mit Kassieren, Kreuzweis schließen, Landes verweisen. Auf die Festung sperren, Auspeitschen, Husarenexekution, Hängen, Köpfen, Unter dem Galgen begraben ü. s. w. Durch Schrecken verschaffte er sich Gehorsams. Seine Verachtung der Württemberger trug er offen zur Schau. „Schwäbische Hunde", „Saurüssel" pflegte er sie zu titulieren und eine stehende Redensart — termini ordinarii, wie Hallwachs sagte — war bei ihm die: „Was man aus einem Schwaben mehr als einen Expeditionsrat macht, ist zu viel^)." Diesen Einfluß, und zwar nicht allein auf die unteren Organe, sondern auch auf hochstehende Geistliche, Staatsmänner, Offiziere re. des Landes, konnte er aber nur durch seine imponierende Persönlichkeit und sein geistiges Uebergewicht erlangen. Die Kriecherei, Gewinnsucht und Charakterlosigkeit der damaligen württembergischen maßgebenden Persönlichkeiten bildeten die Folie und Grundlage seiner erstaunlichen Macht über die Herzen und Gemüter. Ein unbekannter Libellist sang nicht mit Unrecht nach Süß Tod die Worte: Was mußt' der Jud' von unfern Sachen? Ihr, ihr habt ihm den Pfeil geschnitzt, Das Herz des Landes wund zu machen, Den hat er nachmals zugespitzt. Ihr seid es, die mit Schandprojekten, Soviel in euren Kräften war, Den Brand in unsre Dächer steckten, Von Eurem Geist kommts ganz und gar. ' *) Zimmermann, S. 60. 2) Jüdisches Wochenblatt, Jahrg. 1862, S. 22.

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