Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 8)
- Language
- German
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117 Rechts, der Gerechtigkeit, der Wahrheit und Moral — daß die Stimme des Gewissens und die Gebote der Bibel denn doch viel wichtigere und erhabenere Faktoren der ethischen Weltordnung seien, darüber Betrachtungen anzustellen, fiel dem „treuen Diener seines Herrn", dem so prononzierten Realpolitiker, nicht im Traume ein. Leider fehlte dem Enkel des Rabbi Salmele die wahre Gottesfurcht. Schon in Frankfurt a. M. verachtete er die jüdischen Gebräuche, so daß er als „Apikores“ (Abtrünniger) unter seinen Glaubensgenossen verschrieen nnd, wie die Ueberlieferung wissen will, von den Frankfurter Rabbinern sogar in den Bann gethan wurde?) Und auch im Glücke, auf der Sonnenhöhe seines Erfolges, verschmähte er die religiösen und sittlichen Gesetze Israels. So wurde er ein willenloses Werkzeug in den Händen eines Duodezdespoten. Wie leicht hätte er ein Mardochai für die württembergischen Juden — sie durften das Land nur mit Geleitscheinen passieren, denn sie waren aus Schwaben verbannt — werden können, statt dessen stiftete er mehr Unheil als Haman! Für die Großmachtspolitik, die der Herzog Karl Alexander trieb und die ungeheuren Summen, die er aufwenden mußte, waren die Landstände nicht zu haben; da warf er sich in die Arme seines getreuen Finanzvirtuosen Josef Süß Oppenheimer — offiziell führte er den Titel: „Geheimer Finanzrat", — der ihm zeigte, wie's gemacht wird. Zuerst wurden die widerspenstigen Räte von Serenissimus weggejagt und willenlose Kreaturen des Finanzmannes, unter denen der Schlimmste der Expeditionsrat Hallwachs war, traten an deren Stelle. Ihnen gelang es durch unerhörte Einschüchterungen* 2) die Landschaft zu zwingen, daß sie, solange die mißlichen Kriegszustände dauerten und das Land dazu im Stande sei, den Unterhalt eines stehenden Heeres von 12000 Mann bewilligte. Je mehr Süß nun aus der württembergischen Bevölkerung herauspreßte, um dem Staatssäckel Gelder zuzuführen, desto . mehr wuchs das Vertrauen des 1) „Jüd. Wochenblatt", 1862, No. 6. 2) Geschichte Württembergs, von Eugen Schneider, Stuttgart, 1896, S. 348.