Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 116

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Josef Süß Oppenheimer
Date
1902-01-01
Page
Seite 116 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3111067-3111076-3113303--1315-3113436
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

116 kann wohl behauptet werden, daß er in der Hauptstadt der habsburgischen Monarchie die ersten 'Anregungen zu den Reformen erhalten habe, welche er später in Württemberg einführte: Tabaksmonopole, Lotterien und dergleichen mehr. Von krankhaftem Ehrgeiz beseelt, eitel und genußsüchtig, beherrschte ihn ganz und gar der Gedanke, eine öffentliche Rolle zu spielen, namentlich aber in der Hofgunst sich zu sonnen. Der erste Hof, an dem er sein Glück versuchte, war derjenige von Thurn und Taxis in Frankfurt a. M. Das Haupt der fürstlichen Familie fand besonderen Gefallen an dem erfindungsreichen Finanzkünstler, der sich namentlich als Virtuos in der Kunst zeigte, Geld auszumünzen. Carl Alexander, der mit einer Prinzessin Marie Augusta von Thurn und Taxis vermählt war und stets großen Ueberfluß an Geldmangel hatte, nahm, als sich ihm im Sommer 1732 in Wildbad Josef Süß Oppenheimer mit einer warmen Empfehlung des Fürsten von Thurn und Taxis vorstellte, den Gold- und Geldmacher mit großer Freundlichkeit aus. Auf einen solchen Mann, einen solchen Helfer in der Not, hatte er ja schon seit Jahren gewartet! ' Die-Ideen und Ratschläge des pfifffgen Finanziers gefielen dem damaligen Prinzen von Württemberg so sehr, daß er ihn gleich mit Titeln und Auszeichnungen überhäufte; er ernannte ihn zu seinem Kriegsfaktor und Schatullenverwalter, und die Prinzessin verlieh chm das Patent eines Hofagenten. „Jud Süß" war kein Mann mit zugeknöpften Taschen, denn er erteilte nicht allein gute finanzielle Ratschläge, sondern griff selbst wiederholt tief in den Beutel. Auch sonst sagte dem Prinzen der kluge, humoristische, mit Geschick Anekdoten erzählende Hosjude, der nichts Kriecherisches und Devotes an sich hatte und stets in bester Gebelaune sich befand, außerordentlich zu: war es da nicht natürlich, daß auch der Herzog von Würtemberg, als es galt, Gelder aus dem Boden zu stampfen und durch alle Schliche, Ränke und Manipulationen die stets leeren herzoglichen Kassen zu füllen, sich dankbar seines Kriegsfaktors erinnerte? V Der Fürst hatte den richtigen Mann gefunden, für den der Wille seines Souverains das oberste Gesetz war. Carl Alexander erschien'unserem. Süß als die -Verkörperung des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.