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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 115

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Josef Süß Oppenheimer
Date
1902-01-01
Page
Seite 115 (sequence 6)
Language
German
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115 mit dem kaiserlichen Generalfeldmarschall - Lieutenant von Heydersdorfft) eingelassen habe. Eine Frucht dieser sündigen Verbindung sei Süß Oppenheimer gewesen. Diese Verdächtigung ist aber, obschon sie in die Anklageakte überging, durch nichts bewiesen. Nie und nimmer hätte der Vater unseres Helden, der als Ehrenmann gerühmt wird, dieses Verhältnis geduldet und nie und nimmermehr hätte er ihn mit solcher Zärtlichkeit und Sorgfalt erzogen, wie es der Fall war, wenn Josef nicht Fleisch von seinem Fleisch und Bein von seinem Bein gewesen wäre! In jener sittenlosen Zeit, wo in nichtjüdischen Kreisen die Heiligkeit der Ehe oft nur ein leerer Wahn war, wäre eine Jüdin, die ihrem Gatten untreu geworden, der Gegenstand allgemeiner Verachtung gewesen und ihr Ehemann hätte sich mit Abscheu von ihr gewandt; und selbst wenn er es nicht gewollt, hätte die Gemeinde im Ghetto ihn dazu gezwungen! Der Jude, welcher nach Ansicht unserer Verfolger das „Stigma exprobrationis“, d. h. das Kennzeichen der Verworfenheit und Häßlichkeit, an der Stirne tragen mußte, konnte unmöglich ein Kavalier sein und so vornehme Allüren haben wie Süß Oppenheimer! Die Schönheit der Mutter genügte nicht — flugs wurde ihm daher ein hochadeliger Vater angedichtet! Sprachkundig und ein tüchtiger Rechenmeister, behagte Josef Süß Oppenheimer die enge Gasse nicht; er wollte Land und Leute kennen lernen und im Ausland sein Glück versuchen. Mit 18 Jahren schon ging er in die weite Welt. Er reiste nach Amsterdam und von Holland nach Prag und Wien. Sein vornehmes und elegantes Auftreten, aber auch sein Name — er war mit den hochgeachteten und einflußreichen Wiener Oppenheimers, den Armeelieferanten und Hossaktoren des österreichischen Kaiserhauses, verwandt — erleichterte ihm den Zutritt in den ersten Häusern seiner Glaubensgenossen und wohl auch in manchem christlichen Hause. Reisen bildet; besonders sog der lebhafte und bewegliche Geist des Jünglings in Wien die neuen Errungenschaften des dortigen merkantilischen Lebens in sich ein. Es i) Pfaff u. A. nennen ihn irrtümlicher Weise „Hettersdorf". 8*

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