Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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114 z. B. mit einem starken Truppenkorps am spanischen Erbfolgekriege teil, was ungeheure Summen verschlang. Um seinen militärischen und sonstigen Passionen schrankenlos zu stöhnen, wurden alle gesetzlichen und ungesetzlichen Mittel versucht, die zum Ziele, d. h. zur Erschließung neuer und reich fließender Geldquellen, führen konnten. Unter allen feinen Ratgebern fand er niemand, der sich durch Findigkeit, Schlauheit, Verwegenheit und Skrupellosigkeit so hervorgethan hätte, wie sein Günstling und Vertrauter Josef Süß Oppenheimer. Wer war dieser Bevorzugte und Auserwählte, auf den sich plötzlich die Augen aller Württemberger, ja ganz Deutschlands, richteten? Welche Verstandes- und Charaktereigenschaften besaß er, daß ihm die Huld und Sympathie seines Souverains vom ersten Augenblick der Berührung zwischen Beiden bis zum Tode des Herzogs unerschütterlich treu blieb? Am 12. Februar 1692 in Heidelberg geboren, empfing er eine gute Erziehung und verriet schon frühzeitig hervorragende finanzielle Begabung. Bon seiner Mutter Michaele, einer berühmten Schönheit, erbte er seine äußeren Vorzüge^), als da waren: eine schöne, freie Stirne, ein kleiner Mund mit schwellenden, stolz aufgeworfenen Lippen, eine feingeschnittene, griechische Nase und große, gewölbte Augenbrauen mit dunkelbraunen, blitzenden Augen, welche, um chre Beweglichkeit auszudrücken, von den Zeitgenossen als „fliegende Augen" be-' zeichnet wurden. Seine Gestalt war edel gewachsen. Seine ganze Erscheinung hatte etwas Vornehmes, Außergewöhnliches. Sein Großvater mütterlicherseits war der hochberühmte und hochgeachtete Rabbi Salmele oder auch Rabbi Salomo zu Frankfurt a. M., Chasan daselbst. Auch seine Mutter Michaele zeichnete sich durch eine herrliche Stimme aus, nicht minder besaß sein Vater, Rabbi Jsachar Süßkind Oppenheimer, ein sympathisches Organ. Die Verleumdung, welche sich des Thuns uud Treibens von Süß Oppenheimer, namentlich nach seinem Sturze, bemächtigte, verschonte natürlich auch die arme Michaele nicht, die als eine ehebrecherische Frau dargestellt wurde, die sich 3) Manfred Zimmermann, S. 8 ff.