Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 4)
- Language
- German
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113 Inhaber von zwei kaiserlichen Regimentern, Wirklicher Geheimrat und Ritter des goldenen Vließes. Er mußte zwar den Ständen die bündigste Reverse sür völlige Religionsfreiheit des evangelischen Landes ausstellen, die überdies von den damaligen mächtigsten protestantischen Herrschern, nämlich von Preußen, Hannover, England und Dänemärk, gewährleistet wurde — aber in Stuttgart und Ludwigsburg zog doch ein katholischer Hof ein, mit einem stattlichen Gefolge von Römlingen, Pfaffen und Jesuiten. Anfänglich jubelten die Schwaben ihrem Herzog entgegen, denn er versprach öffentlich und in vielen Dekreten seinen Unterthanen das Beste: „All' seiner Vorfahren heilsame Gesetze eifrig zu handhaben, sich durch keine Mühe und Schwierigkeit von dem, was zur wahren Aufnahme und Flor des Landes gereichen würde, abhalten zu lassen" *). Weil er vor allen Dingen die „liebe Gerechtigkeit" als die dauerhafteste Grundlage eines Staates und strenge Beobachtung des Rechts als das beste Mittel, den größten Teil des Unglücks auf Erden zu heben, erkannt habe, werde er allen Ernstes bemüht sein, daß unter seiner Herrschaft schädliche Mißbräuche in der Staatsverwaltung nicht geduldet, sondern „in allen Stücken ohne Schleich, Jntriguen und Verwickelungen nach der altberühmten württembergischen Treu und Redlichkeit gehandelt werden möge"?) Auch versicherte er hoch und heilig, daß jeder Staatsdiener, der sich irgend einer Untreue, Ungerechtigkeit und Bedrückung schuldig gemacht, ohne Ansehen. der Person, an Ehr und Gut, je nach den Umständen, an Leib und Seele gestraft werden solle; er befahl ferner, daß, wer durch Geld und andere Bestechungen ein Amt erlange, solches innerhalb 8 Tagen schriftlich anzeigen solle! Am 13. April 1734 verbot er das Niederknieen der Supplikanten vor ihm-. weil eine solche Ehrerbietung nur Gott gebühre. Diese guten und weisen Vorsätze hielten aber nicht lange Stich; huldigte Serenissimus auch nicht der Maitressenwirtschaft seines Vorgängers, so hatte er dafür viele andere noble und vor Allem sehr kostspielige Leidenschaften. So nahm er 1) A. a. £)., S. 131. 2) A. a. O., S. 192. 8