Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Jntriguanten bar, und selbst Manfred Zimmermanni), der ihm wohl am objektivsten gegenübersteht, wagt seine Meinung zu Gunsten des württembergischen Finanzkünstlers nur zaghaft vorzubringen. Es sei hier deshalb der Versuch gemacht, den berühmten und berüchtigten Favoriten des Herzogs Karl Alexander von Württemberg sine ira et stuaio zu zeichnen, seine Schwächen, Fehler und Laster, aber auch seine Vorzüge, namentlich seine Seelengröße, Charakterstärke und Glaubenstreue in den Tagen seines Sturzes und grauenhaften Endes, zu beleuchten. Leider war es mir nicht vergönnt, die verschiedenen im Stuttgarter Staatsarchiv bewahrten Akten, die sich nunmehr in den Händen des Herrn Kirchenrats Dr. Theodor Kroner in der Hauptstadt Schwabens befinden — er bereitet, wie er mir mittheilt, eine besondere Quellenschrift über Josef Süß Oppenheimer vor —, zu verwerthen, wohl aber habe ich die ganze einschlägige Litteratur, fast alle Schriften der Zeitgenossen, viele zerstreute Flugschriften, die sich im Besitze des Herrn Albert Wolf in Dresden befinden, die Gerichtssachen über den Prozeß und sonstiges schwer zugängliches Material nach bestem Wissen und Gewissen benutzt. Nach schmachvoller 40jähriger Regierung war der Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg, dessen Maitresse, die Gräfin Grävenitz, viel Unheil über das Land gebracht hatte, 1733 ohne direkten Thronerben gestorben. Herzoghut und Land fielen nun an seinen Vetter Karl Alexander, den ältesten Sohn des Herzogs Friedrich Karl von Württemberg-Winnethäl. Dieser war schon seit 11 Jahren in Kriegsdienste getreten und wurde ein tapferer Haudegen?). Er kämpfte in mancher Schlacht unter dem Prinzen Eugen und Marlbourough am Rhein, in den Niederlanden, Deutschland und Italien. Des besseren Avancements wegen trat er 1712 zur katholischen Kirche über. Er stieg auch in der That von Stufe zu Stufe. Zuletzt war er kaiserlicher Feldmarschall, Oberbefehlshaber von Belgrad und dem Königreich Serbien, rj Josef Süß Oppenheimer, ein Finanzmann des 18. Jahrhunderts. Stuttgart. 1874. -) Geschichte des Fürstenhauses des Landes Württemberg von vr. Karl Pfaff, Stuttgart, 1839, 3. Teil, S. 188.