Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Josef Süß Oppenheimer
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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111 habgierigen Wünschen des einen oder anderen Fürsten blindlings und rücksichtslos dienten, in trügerische Sicherheit sich einlullten, vergessend, daß die Furien des Judenhasses früher -oder später Hervorbrechen und ihre morsche Herrlichkeit in Fetzen zerreißen könnten. Die Günstlinge der Mächtigen dieser Erde, haben durch den äußeren Glanz und Schimmer ihrer Stellung der Judenheit keinen Nutzen und keinen Vorteil gebracht; sie haben vielmehr den Neid, die Mißgunst und die Verfolgungswut des Pöbels in den höheren und niederen Regionen entfacht und der Gesamtheit ihrer Glaubensgenossen noch schmerzlichere Wunden geschlagen. Die Geschichte sollte die Lehrmeisterin der Völker und des Einzelnen sein, aber wir machen leider die Beobachtung, daß ' die weisen Ratschläge wenig oder gar nicht beachtet werden. Das traurige Loos, welches in früheren Jahrhunderten manchen jüdischen Finanzministern, Finanzpächtern, Münzmeistern rc. beschicken war, wirkte leider nicht abschreckend. Die Streber und Emporkömmlinge hatten kein Ohr für die Mahnungen Klios, sonst wären sie nicht in den Abgrund des Verderbens gestürzt und hätten bei Zeiten die Warnung des Sirach beherzigt: Wer sich in Gefahr begiebt, kommt darin um. Ein solch ehrgeiziger, leichtsinniger und waghalsiger Geselle war der Finanz- und Hofjude des Herzogs Karl Alexander von Württemberg — dieser wurde am 24. Januar 1684 in Stuttgart geboren und starb am 13. März 1737 in Ludwigsburg — Namens Josef Süß Oppenheimer, dessen Glück und Ende zwar von zahlreichen Geschichtsschreibern und Biographen mehr oder weniger eingehend behandelt wurde, ohne daß man jedoch den ernstlichen Versuch gemacht hätte, .Licht und Schatten angemessen zu verteilen und diesem traurigen Opfer einer brutalen Kabinetsjustiz gegenüber Vorurteilslosigkeit und Gerechtigkeit walten zu lassen. Wie die Historiker, so verfahren auch die Novellisten, welche „Jud Süß" zum Gegenstand ihrer dichterischen Darstellung machen. Der Schwabe Wilhelm Hauff u. A. malt ihn in seiner Novelle „Jud Süß" Grau in Grau, stellt ihn als einen herzlosen und vollendeten Bösewicht und