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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 106

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Über jüdische Ärzte
Date
1902-01-01
Page
Seite 106 (sequence 29)
Language
German
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106 häufig auf die h. Schrift beruft und über die Pest schreibend irns daran erinnert, daß die Juden die Verbreitung dieser Krankheit durch die Ratten schon gekannt haben mochten, weil sie gelegentlich einer Seuche den Zorn der Gottheit durch die Widmung silberner Mäuse besänftigen wollten, aber dieser bibelfeste Arzt war ein urwüchsiger — Calvinist. Ein Zweiter, der nach Absolvirung der ärztlichen Studien sich jetzt mit orientalischen Sprachen, arabisch, hebräisch, persisch und chinesischen Sprachstudien besaßt und vor Kurzem eine sprachwissenschaftliche Arbeit veröffentlichte, in deren Schlußwort er einige Sätze aus der Genesis verwendet und preist, dieser zweite College ist — ein Katholik, ein geborener eifriger Katholik. Und ein Dritter, der mir jüngst in einem Schreiben sein Leid klagt und mit den Worten schließt: „Aber mein Vertrauen auf den Allgütigen wird mich nicht trügen, denn wer auf Gott vertraut, wird nicht zu Schanden", dieser gute College ist ein — Lutheraner, ein eingefleischter Lutheraner. Unsere jüngere jüdische Aerzte-Generation befaßt sich nicht mit derart abstracten Dingen. Hingegen theilte mir ein aus Ungarn gebürtiger, in Serbien practicirender College unlängst mit, daß von 17 in serbischen Staatsdiensten stehenden jüdischen Aerzten, zumeist der jüngeren Generation angehörig, 14 zur griechisch-orientalischen Kirche übergetreten, und auch in Rumänien stehen zumeist junge jüdische Aerzte an der Spitze der aus dem Judenthume sich Flüchtenden. Dieser Wechsel im Verhalten der jüngeren jüdischen Generation steht mit einer anderen Erscheinung in innigem Zusammenhänge. Mit jener nämlich, daß an Stelle des philosophischen Geistes, der ehemals den jüdischen Arzt auch als Menschen zu einem vornehmen machte, immer mehr ein — ich bin um das Wort in Verlegenheit, doch kann ich es anders nicht nennen — gewisser kaufmännischer Geist tritt, der mit seinen Auswüchsen, mit allen Kniffen der Concurrenz, mit der Reclame, mit dem würdelosen Selbstangebot den Boden des ärztlichen Berufes ebenso lockert, sein Ansehen ebenso untergräbt, wie es der unlautere Wettbewerb aus dem Gebiete des Handels thut. Nicht als ob wir es hier etwa mit einer Eigenthümlichkeit jüdischer Aerzte zu thun hätten. Doch während ehckrem derlei Schwächen sich dem hohen, vornehmen

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