Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Über jüdische Ärzte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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105 — Vorbildung ein starker jüdischer Zug zum Ausdruck, der nicht spurlos verschwand. Und begegne ich einer Stadt jenseits der Donau dem alten Doctor Pillitz, der ob seiner Gelehrsamkeit. und seiner ärztlichen Tugenden von Groß und Klein der bischöflichen Residenz geliebt und verehrt wird, der im Sommer im Bakony oder in der Schweiz botanisirt und erst jüngst einen talmudischen Aufsatz in der „Magyar Zsido Szemle", in dem Jahrbuche unserer Gesellschaft, und auch interessante jüdische culturhistorische Beiträge veröffentlichte, dann erblicke ich in ihm ein Vorbild jüdischer Aerzte aus einer der unsrigen vorangehenden Zeit. Und es gab ihrer auch in dieser unserer Stadt mehrere, nur daß die Zahl dieser jüdischen Aerzte, die in der Wissenschaft des Jüdenthums bewandert waren und auch über eine staunenerregende allgemeine Bildung verfügten, allmählich geringer wird. Und wenn ich nur einen von ihnen, den alten, oder richtiger den älteren Doetor Schwimmer namentlich anführe, der zur Beruhigung der Umgebung seiner gefährlichen Patienten das „Tehillim-Sagen" verordnete, für seine verstorbenen Clienten aber die prächtigsten hebräischen Grabschriften verfaßte, dann will ich damit andeuten, daß nicht blos die Vorbildung, sondern auch die Wirksamkeit dieser Aerzte in einer gewissen Relation zum Judenthum stand. Dies erklärt uns auch, warum der hierzulande tagende erste jüdische Kongreß einen jüdischen Arzt zum Präsidenten wählte und warum derselbe Ignaz Hirschler bei der Neuconstituirung des Herrenhauses als Vertreter der Judenschaft in dasselbe berufen wurde. Und der im Vorjahre als 80 jähriger Greis verstorbene Dr. Samuel Kristeller «war durch 14 Jahre Vorsitzender des Deutschen israelitischen Gemeindebundes und ein eifriger Vorkämpfer in allen Culturftagen des Judenthums. Aber dieses Verhältniß lockert sich allmählich und wenn mein alter Professor Koväes einem jüdischen Rigorosanten, der seine Antwort mit den Worten begann: „Ich glaube" barsch zurief: „Ich bin nicht neugierig zu hören, was Sie glauben, denn das sehe ich ja aus Ihren Zügen, ich will nur hören was Sie wissen", dann irrte er sich, indem er aus den Zügen des Kandidaten folgerte, was dieser glaube. Unlängst starb mir ein wahrer ärztlicher Freund, der in seinen Schriften sich