Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Über jüdische Ärzte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 26)
- Language
- German
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103 Mitunter ergriffen sämmtliche Söhne des jüdischen Arztes den Beruf des Vaters, die sich dann zwar in verschiedenen Städten und Ländern ansässig machten, ihre Zusammengehörigkeit aber nie vergaßen. Fast rührend ist in dieser Beziehung der Fall der beiden Brüder Luzzato, die an der Universität Padua an einem Tage zu Aerzten promovirten (1751), und von denen der eine in Italien blieb, der andere nach England zog und deren Briefwechsel durch volle 30 Jahre zu den Meisterwerken der hebräischen Epistelliteratur zählt. Der ausgewanderte Bruder wollte als Greis die Heimath und den Bruder Wiedersehen, doch wurde er unterwegs vom Tode ereilt. Und sprechen wir schon von der Familie der jüdischen Aerzte, dann müssen wir auch derer gedenken, ohne welche — wie der oben angeführte ungarische Gelehrte richtig bemerkte — es keine Familie giebt, der Frau des jüdischen Arztes. An Stelle der Erörterungen will ich mich hier aus einige Beispiele beschränken. Moses Fischel war Rabbiner und Arzt in Krakau, seine Mutter und Frau waren die geliebten Freundinnen der Königin, der aus Italien stammenden Gemahlin Sigismunds II., was dafür spricht, daß auch die jüdischen Frauen auf einer hohen Stufe der Bildung und des Seelenadels standen. Fast aus derselben Zeit ist uns freilich auch ein weniger rühmliches Beispiel erhalten. Der jüdische Arzt Lippold war nicht blos Leibarzt, sondern auch Finanzminister des Brandenburger Kurfürsten Joachim, was natürlicherweise zu nicht geringem Neid Anlaß bot, und es ist gleichfalls natürlich, daß man den jüdischen Arzt beim Ableben seines Herrn im Jahre 1571 verdächtigte, seinen Herrn vergiftet zu haben. Beweise lagen nicht vor, bis die Frau des Arztes während einer häuslichen Zwistigkeit ihrem Mannedie schreckliche Anschuldigung zuschleuderte, was dazu führte, daß man Lippold der Folter unterwarf, dann viertheilte, und seine Familie mitsammt den Juden „für ewige Zeiten" aus Berlin verwies. Daß später die Unschuld Lippolds glänzend zu Tage trat, konnte nicht gut machen, was der Lästermund seiner Frau verdarb, die derart von neuem die alte ärztliche Sentenz des Tractates Berachot bestätigt hat: „Noch so krank, wenn nur der Magen gesund; noch so schmerzhaft, wenn nur das Herz