Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Über jüdische Ärzte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 23)
- Language
- German
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100 die Biene zusammen. Und auch anderweitige Bildung besaß er. Er trieb Astronomie und Mathematik. Der jüdische Arzt Profatius, Decan der medizinischen Schule von Montpellier, schrieb ein astronomisches Werk, in welchem er die größte Declination der Sonne vom Aequator berechnet, ein Werk, das selbst von Copernicus citirt wird. Der jüdische Arzt Kalonymos übersetzte für die Bibliothek des Königs von Sicilien verschiedene ärztliche, mathematische und astronomische Werke aus dem Arabischen und Hebräischen ins Lateinische. Isaak b. Asman schrieb im I. 799 ein Werk über die Pflanzenkunde. Die Botanik bleibt auch ständig eine Lieblingsbeschäftigung jüdischer Aerzte. Und sie brachten den Anforderungen ihrer Zeit und des Fortschrittes immer ein lebhaftes Interesse entgegen. Kaum zwanzig Jahre, nachdem das erste gedruckte Buch die Officin Guttenbergs verließ, gründete der jüdische Arzt Conath in Mantua eine jüdische Buchdruckerei, aus welcher jüdische Werke in die Welt gingen. Sie pflegten auch die Belletristik. Ibrahim b. Sahl, der am Hofe der katholischen Fürsten Spaniens als Arzt lebte und nach dem Geschmacke seiner Zeit erotische Liebesgedichte schrieb, war bei seinen Glaubensgenossen verhaßt, um so mehr verehrten sie Juda Abarbanel, der als spanischer Flüchtling Leibarzt zweier sicilianischer Könige wurde und dessen „Dialoghi di Amore“ öfters, und auch noch 100 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen verlegt wurden. Groß war auch des Sabbatai Vital Marini Ansehen, der i. I. 1748 starb, und der als Arzt und Rabbiner von Padua Ovids „Metamorphosen" ins Hebräische übertrug. Und auch der jüdische Arzt Immanuel, des größten italienischen Dichters, Dantes Freunds besaß eine bedeutende dichterische Begabung und schrieb ein humoristisch-satirisches Gedicht über die Hölle, in welchem er dem gewissenlosen Arzte einen Platz anweist, und selbst den berühmtesten Arzt Hippocrates dorthin versetzt, weil er einen Theil seines Wissens verheimlichte. Ein berühmter Belletrist war auch Jacob de Castro, einer der größten unter den jüdischen Aerzten Englands, der in einer im I. 1724 erschienenen Romanze die Befreiung der Juden aus der Hand Hamans besingt, während sein Zeitgenosse Israel Lyons nicht