Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Über jüdische Ärzte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 21)
- Language
- German
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98 in meinem großen Unternehmen, daß es von Erfolg begleitet sei, denn ohne deinen Beistand vermag der Mensch auch nicht das Geringste. Lasse, daß meine Kunst und die Liebe zu deinen Geschöpfen mich durchdringe. Lasse nicht, daß Geldgier, Ruhmsucht und das Verlangen nach Ansehen in meine Arbeit sich mengen, denn sie sind Feinde der Gerechtigkeit und der Menschenliebe und könnten auch mich irreführen, wo es meine Pflicht ist, das Wohl deiner Geschöpfe zu fördern. Erhalte mir des Leibes und der Seele Heil, daß ich alle Zeit freudig bereit sei zu helfen und zu stützen den Reichen wie den Armen, den Guten wie den Bösen, Feind und Freund, daß ich in dem Leidenden stets nur den Menschen sehe." Hören wir Aerzte auch heute noch so beten? Zu jener Zeit konnte man es hören, denn Maimuni, obgleich der größte unter den jüdischen Aerzten seiner Zeit, stand nicht vereinzelt. Es gab ihrer noch andere, groß und stark im Wissen und im Charakter, und der wundersam begabte Rabbi Salomo Jizchaki, den wir unter dem Namen Raschi kennen, und den seine französischen Zeitgenossen „le prince des commentateurs“ nannten, liefert in seinem großen, die ganze jüdische Religionsliteratur umfassenden Werke auf Schritt und Tritt Beweise seines ärztlichen Wissens. Bei solchen Vorbildern ist es nicht zu verwundern, wenn die gründliche, religionswissenschaftliche Ausbildung jüdischer Aerzte zur Sitte, und später zur festen Tradition wurde und daß den „Morenu", den jüdischen Doktortitel, den man uns heute aus Höflichkeit ertheilt, unsere Vorfahren sich durch Jahrhunderte ehrlich verdienten. Die theologische Bildung jüdischer Aerzte war so groß, daß die Kirche es den „einfachen Menschen" verbot, mit jüdischen Aerzten über Religion zu diskutiren, weil — wie es ein Erklärer des bezüglichen Edikts sagt — „in solchem Diskurs die einfachen Menschen hinter den Juden stets Zurückbleiben." Hier muß ich auch dessen gedenken, daß bei den Dienern der christlichen Kirche die Neigung zum ärztlichen Berufe auch stets vorhanden war und noch immer ist, und Pfarrer Kneipp, der ein jedes Gebrechen mit Wasser, und ein prot oft antisch er Pastor, der es mit Koth kuriren will, sind noch