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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 97

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Über jüdische Ärzte
Date
1902-01-01
Page
Seite 97 (sequence 20)
Language
German
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97 zu umfassen, er konnte nicht nur die Wissenschaft der größten Aerzte, Hippokrates und Galenus, in sich aufnehmen, mit kampfgemuther Kritik erhob er sich auch gegen den in seiner Zeit verbreitetsten Aberglauben, die Astrologie, eine That, deren volle Tragweite wir erst dann voll würdigen werden, wenn wir — wie Landau es hervorhebt — sehen, daß Schiller noch 600 Jahre später Wallenstein die Worte in den Mund legt „denn die Sterne lügen nicht". Und doch hat der große jüdische Arzt dies und noch vieles andere ein Blendwerk genannt, in seinen großen religionsphilosophischen Werken, von welchen das eine „Jad-Chasaka", die starke Hand, das andere „Moreh-Nebuchim", Führer der Irrenden heißt. In diesem letzteren versucht sein für Glauben und Wissen gleich mächtig stammender Geist die Versöhnung und Lösung dieses großen, vielleicht ewig unlösbaren Problems. Die offene, aufgeklärte Denkweise des Arztes und Philosophen gelangt in diesen Werken zum Ausdrucke, für welche die Fanatiker seiner Zeit Maimuni mit dem Banne belegten, welche aber trotzdem den „Rambam" nicht nur in den Augen der jüdischen Religionsphilosophen groß erscheinen lassen, sondern ihn auch zu einer, von der Säule christlicher Theologie, von dem siommen Thomas von Aquino häufig angeführten Autorität machen. Und während in Maimunis Religionsphilosophie derart der Arzt zur Geltung kam, steht er in seinem ärztlichen Berufe als ein fast unerreichbares Vorbild eines von religiöser Moral erfüllten Mannes vor uns. Denn dieser Arzt, der am Hofe der Sultane lebend und wirkend, Tag und Nacht beschäftigt ist um, wie er es in einem an seinen Freund Samuel ibn Tibbon gerichteten Briefe sagt, jedermann, Juden und Nichtjuden, Armen und Reichen, die seiner bedürfen, zur Verfügung zu stehen, dieser Arzt öffnete seinen Mund alltäglich zu einem Gebete so schön, daß wir ein schöneres oder auch nur ähnliches in dem Gebetbuche keiner Religion der Welt finden können. Wenn nicht als religiöse, so verdient dieses Gebet als eine meisterhafte Offenbarung der ärztlichen Consession die Huldigung aller Zeiten. „Ich beginne von Neuem meine Thätigkeit" — so flehte allmorgentlich der große jüdische Arzt. — „sei du Allmächtiger mir zur Hülfe 7

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