Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Über jüdische Ärzte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 16)
- Language
- German
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93 12 Jahren bei der Wanderversammlung der ungarischen Aerzte und Naturforscher in Tatrafüred zugegen und lauschten dem Vortrage, eines berühmten Universitätsprofessors über die Rolle der Frau in der Hygiene, den er mit folgenden Worten einleitete: „Das genialste Werk der Schöpfung ist die Frau. Was wäre das Leben in der ganzen Natur, gäbe es keine Frauen, wo nähme das Leben seine schönste Poesie, was wäre die Familie, was das Leben des Kindes und die ganze menschliche Gesellschaft ohne die Frau?" Aber die Wirkung dieser schönen Hymne wurde schmählich vernichtet durch einen alten Benedictiner, den damals fast achtzigjährigen pensionirten Universitätsprofessor Jedlik, der im Auditorium saß und seinem Nachbar so laut, das man es im ganzen Saale hören konnte, zuflüsterte: „Dasselbe könne man auch vom Manne sagen, denn ohne ihn gebe es auch weder Familie noch Gesellschaft". Der wegen seines Alters und Wissens hochberühmte Benedictiner hat durch diesen drolligen Zwischenruf die Kritik einer jeden Uebertreibung gegeben, und dessen eingedenk, wäge und prüfe ich, ob all das, was ich zur Charakteristik der jüdischen Aerzte von einst und jetzt zu sagen im Begriffe stehe, nur von diesen, oder auch ebenso gut von allen nichtjüdischen Aerzten gesagt werden kann? Denn so verächtlich es ist, der zu allen Zeiten großen Männer und Charaktere der Juden zu vergessen, so lächerlich ist es in jedem nur halbwegs tüchtigen Menschen den Juden zu wittern. Und prüfen wir also Menschen und Verhältnisse ohne Voreingenommenheit, dann unterliegt es keinem Zweifel, daß auch nichtjüdische Aerzte auf einer sehr hohen, ja höchsten Stufe des ärztlichen Berufes standen, sowohl in wissenschaftlicher als ethischer Beziehung, daß die größten Aerzte Hippocrates und Galenus logar im Zeitalter des heidnischen Hellenismus lebten und daß an chren Namen sich der größte Ruhm ärztlicher Kunst knüpft. Und selbst die jüdischen Aerzte waren lediglich aus dem Grunde die besten Aerzte der Culturwelt, weil sie die griechischen Aerzte am besten verstanden, ihre Werke ins Arabische und Hebräische übertrugen, wie sie auch späterhin die Werke der großen arabischen Aerzte ins Lateinische übersetzten. Man könnte mit etwas