Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Über jüdische Ärzte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 14)
- Language
- German
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91 verbunden. Das sizilianische Parlament beschloß im Jahre 1293, daß ein Christ, der die Hülfe eines jüdischen Arztes in Anspruch nimmt, 3 Tage, der jüdische Arzt aber 12 Monate bei Wasser und Brot einzukerkern sei. Die Pariser Fakultät verbietet (1301) Juden und Jüdinnen die Ausübung der ärztlichen Praxis. Bald sagt man, daß die Juden gefährlich seien, weil sie geheime Mittel und Gifte verwenden, während der Rath von Frankfurt die Bürger ermahnt, sich von jüdischen Aerzten nicht behandeln zu lassen „weil diese nur natürliche Mittel anwenden" (1657). Und hatte man gehofft, die Reformation würde die päpstlichen Bullen und Encycliken außer Kraft setzen, und gegen die Juden milder Vorgehen, so erwies sich diese Hoffnung bald als trügerisch, denn was die protestantischen Fakultäten von Wittenberg und Rostock über jüdische Aerzte sagen, das übersteigt alle Abscheulichkeiten des Mittelalters. Es wird hier auch den Protestanten die Zuhülfenahme jüdischer Aerzte verboten, weil diese 1. Esel seien, 2. magische Mittel anwenden, 3. von 10 Christen einen tödten müssen und 4. weil die Nachkommen Abrahams von Gott verflucht sind und keinen Christenmenschen, die ja Kinder Gottes sind, heilen können. — Hier der größte Ruhm, dort der größte Haß: das war der jüdischen Aerzte Los. Doch stets standen sie an der Spitze und wirkten zum Wohle des Judenthums während zweier Jahrtausende. Und daß ihre Zahl nicht abgenommen, ihre Kraft nicht erlahmt bis in die neueste Zeit, hat seinen Grund darin, daß ein mächtiges Band den jüdischen Arzt bei seinem großen- Wissen mit der Religion verknüpfte. Vom Lichte sagt man, daß es ihm eigenthümlich sei, sich selbst und die Finsterniß zu erleuchten. Ein solches Licht des Judenthums war der ärztliche Stand und in diesem Lichte entwickelte sich die fast ideale Gestalt des jüdischen Arztes. Und sprach ich bisher nur von der äußeren Stellung des jüdischen Arztes, so will ich nunmehr die innere Charakteristik des jüdischen Arztes versuchen und vielleicht auch neben dem jüdischen Arzte früherer Tage den Spiegel des heutigen vorführen. Obgleich Landau in seinem vor