Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Über jüdische Ärzte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111076-3113302--1288-3113410- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
90 bekennt, daß der Jude, wie der Wein durch die Taufe nur schlechter wird, und Renan sagt über die apostasirten jüdischen Aerzte und Gelehrten, daß diese getauften Juden eine Geißel ihrer früheren Glaubensgenossen wurden ,,sans faire beaucoup d’honneur ä leurs correligionairs d'adoption“. — Im Gegensätze zu diesem Schandfleck kann die Geschichte der jüdischen Aerzte stolz auf jene Hinweisen, die das Judenthum mit ihrer großen Geisteskraft und wenn nöthig, auch mit chrem Leben vertheidigt haben, auf Bones de Lates, der als Leibarzt Leo X. das Judenthum gegen die, vom jüdischen Apostaten Pfefferkorn aufgewühlte öffentliche Meinung vertheidigte, auf David de Pomis, der gegen den die jüdischen Aerzte mit Stumpf und Stiel ausrottenden Papst Paul IV. zu Felde zog. Auf Dr. Mayer Arguadez, der Leibarzt Heinrich III. war, und den man nach dem Tode seines Beschützers wegen Hostienschändung aufs Rad flocht. Auf Don Moses, Leibarzt des Königs Joao I. von Portugal, der zu einer Zeit, als die Juden auf der pyrenäischen Halbinsel von allen Seiten bedrängt wurden, ein die Juden schützendes Edikt erwirkte. Dasselbe that der Arzt Efodi, der die Juden gegen den von Stadt zu Stadt ziehenden Mönch Fernando Martinez in Schutz nahm, und der, als er selbst, um sein Leben zu retten, sich taufen ließ, aus der Heimath entfloh, um in Jerusalem seinem Glauben frei leben zu können. Und auch solche gab es, die im Herzen treue Söhne des Volkes und des Glaubens waren, dem sie enfftammten, und zu welchem chr starker Charakter sie mächtig zurückzog. Unter ihnen ragt durch Ruhm und Wissen Zacuto Lusitano hervor, der als Sohn getaufter, aber im Herzen treuer jüdischer Eltern während 30 Jahre der erste Arzt von Lissabon war, der aber Stellung, Ruhm und Heimath verließ und nach Holland zog, daß er Glauben und Beruf frei bethätigen könne. So anziehend wirkte die im Judenthum lebende und auch durch jüdische Aerzte glänzend bethätigte große ethische Kraft auf jene, die den.Kampf nicht scheuten. Denn war auch die Stellung des jüdischen Arztes eine angesehene, bessere als die selbst seiner reichsten Glaubensgenossen, die Erhaltung dieses Ansehens war mit riesigen und ständigen Kämpfen