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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 89

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Über jüdische Ärzte
Date
1902-01-01
Page
Seite 89 (sequence 12)
Language
German
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89 noch länger zu befassen ist umso weniger nöthig, als ja bei solchen Juden, ob sie nun Aerzte waren oder nicht, immer dieselben Beweggründe entscheidend waren. Der jüdische Arzt früherer Tage, der es mitunter durch den Beistand seiner Brüder ward, zog es manchmal vor, jene zu vergessen, denen er Dank schuldete und die zu einer verachteten Menschenklasse gehörten. Oder er glaubte es seinen Kindern schuldig zu sein, daß diese nicht mehr durch schwere, kampfesvolle Arbeit, sondern mit Hülfe eines kleinen Verraths zu einem leichten Leben gelangen. Denn zu allen Zeiten gab es Juden, die sich selbst so gering achteten, daß sie alles, auch die eigene Persönlichkeit, wie ein verschlissenes Kleid von sich warfen, gleichzeitig aber derart eingebildet waren, daß sie glaubten, ihre Nachkommen könnten, sofern sie nur keine Juden sind, allesammt Großvezire, Bischöfe, Minister und Universitäts- Professoren werden. — Ich als Arzt verstehe diesen Abfallsprozeß. Es ist, als wenn in einem Organismus durch eine Infektion Gifte entstehen, und die Ausscheidung dieser Gifte das Leben des Organismus rettet. Und weil ich als Arzt es begreife, darum bedauere ich es als Jude nicht, daß aus der Judenheit jene Charakterschwächlinge, die an dem großen aber ruhmreichen Kampfe, der die Aufgabe des Judenthums bildet, nicht theilnehmen konnten oder mochten, zu allen Zeiten ausgeschieden und die, wären sie drin geblieben, den Organismus eher geschwächt als gestärkt hätten. Daß sie nicht immer zum Ziele gelangt sind, ist nur natürlich, denn zu allen Zeiten gab es solche, die nicht die Religion, sondern die Race verfolgten und als Hibat-Alla den Turban nahm, wurde er von einem ihm befreundeten christlichen Arzte mit den Worten offen verhöhnt, daß er wie seine Vorfahren gehandelt habe, die 40 Jahre in der Wüste umherirrten, und die, als sie sie verließen, von Neuem den Weg verfehlten. Die Wiener medizinische Fakultät verfolgte einen, unter der Patronanz des Grafen von Cilli stehenden jüdischen Kurpfuscher auch nach dessen Taufe, weil er „inimicus et blasphemator domini Jesu Christi et omnium Christianorum“ sei. Man sieht daraus, daß die Wiener Fakultät schon vor 500 Jahren der Ansicht war, zu welcher „der Herr von Wien" sich heute

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