Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Über jüdische Ärzte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 11)
- Language
- German
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88 jüdischen AerzLe an. In Rom setzten sie es durch, daß sie den rothen Judenmantel nicht tragen mußten, in Frankfurt, daß sie außerhalb des Ghetto wohnen dursten, sie blieben aber trotzdem jüdische Aerzte, ihre Abstammung und ihren Glauben selbstbewußt bekennend. Der geschichtlichen Treue entsprechend müssen wir aber auch über die Ausnahmen sprechen. In den Ländern des Islam und des Christenthums gab es auch solche Aerzte, die es nützlich und zweckdienlich erachteten, ihr Volk und ihren Glauben abzuschwören. Hibat-Alla, der aus einem armen Jungen sich zum angesehensten Arzte am Hofe der Khalifen von Bagdad emporschwang, war der Meinung, daß er noch immer nicht hinreichend gewürdigt sei und trat zum Islam über. Aber ohne besonderen Erfolg, denn — wie Landau sagt — „er theilte das Los aller Convertiten", er wurde darum nicht höher geachtet und starb im Elend. Auch Jakob Hekim, Leibarzt des Sultan Mehemed, des Eroberers von Konstantinopel, bekehrte sich angeblich deshalb, weil er Großvesir werden wollte, zum Islam, und der berühmte jüdische Arzt nahm nicht bloß den Turban, sondern schrieb auch ein Buch gegen die Juden, in welchem er sie beschuldigt, die Gesetze Mosis verdorben zu haben. Mitunter war der Vater ein biederer jüdischer Arzt, wie der bereits genannte Sahl, Lehrer an der Aerzteschule zu Bagdad, dessen Sohn gleichfalls Leibarzt des Khalifen wurde, der aber nicht wollte, daß seine Söhne auch einen Juden zum Vater haben. Davon, daß sich in christlichen Ländern auch jüdische Aerzte fanden, die ihren Geburtsfehler korrigiren zu müssen glaubten, braucht man kaum zu sprechen. Unter diesen that sich Josua Lorqui hervor, der als ausgezeichneter Arzt und Talmudist Leibarzt Benedicts XIII. wurde, dann als Geronimo de Santa Fe die Taufe nahm und einer der größten Judenfeinde aller Zeiten ward, der seinen Brotgeber, den Papst, dazu bewog, den Talmud zu verbieten und eine Bulle gegen jüdische Aerzte, Apotheker und Heilmittelhändler zu erlassen. Auch Victor von Carben verdient es, daß man ihn an den Schandpfahl der Geschichte stelle, weil er in seinem, im Jahre 1509 erschienenen „Judenbüchlein" die jüdischen Aerzte verleumdet. Uns mit den getauften jüdischen Aerzten der Vergangenheit