Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Über jüdische Ärzte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 10)
- Language
- German
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87 alten, ruhmvollen Traditionen bewegt sich auch jene junge jüdische Aerztin, vr. Jakobs, die sich jüngsthin als der erste weibliche Arzt in Holland niederließ und sich dort sofort an die Spitze der die Frage der Krankenwärterinnen regelnden Bewegung stellte. Die in der Wissenschaft und im Wissen wurzelnde Macht gab den jüdischen Aerzten jenes stolze Selbstbewußtsein, durch welches sie sich aus ihrer jüdischen und nichtjüdischen Umgebung hervorthaten. Als Juden waren sie die Leibärzte der Khalifen, Sultane, Päpste, Bischöfe, Kaiser und Könige, und als Heinrich IV., König von Frankreich, der in religiösen Dingen einer derart philosophischen Ansicht huldigte, daß Paris ihm eine Messe werth war, den Juden Montalto aus Italien zu seinem Hofarzte ernannte, nahm dieser die chm angebotene Stelle nur unter der Bedingung an, daß ihm die freie Religionsübung gestattet werde. Wo man vor kurzem die Hugenotten in blutigem Kampfe vertilgte, ließ nun der jüdische Arzt mit seinem Haushalte und seinem Tempel sich nieder, und Heinrich IV. achtete die selbstbewußte Glaubenstreue des jüdischen Arztes so sehr, daß er ihm, wenn er sich am Freitag zu seinen Kranken auf's Land begab, den eigenen Wagen entgegenschickte, damit er noch vor Einbruch des Sabbath daheim sein könne. Und als dieser jüdische Arzt unter Ludwig XIII., dessen Leibarzt er geblieben war, starb, ließ das Königliche Haus seinen Leichnam nach Holland überführen, damit er dort aus jüdischem Gottesacker ruhen könne. Der jüdische Arzt Zacharias aus Preßburg wurde von König Ladislaus nach Ofen berufen, und wie das vom Königlichen Obersthofmeister Buztai erlassene Edikt besagt, wurde dem jüdischen „medico et physico“ Zacharias, „der mit seinem vortrefflichen Wissen dem Könige und vielen Magnaten und Bürgern nützliche Dienste erwies", das Recht verliehen, in Preßburg ohne die übliche Judentracht verkehren zu dürfen, um also seine Kranken um so unbehinderter aufsuchen zu können. Natürlich leistete die Stadt Preßburg diesem Edikte keinen Gehorsam, wodurch sie sich wiederholte Rügen zuzog. Gegen das, was sie als Menschen und Juden demüthigte, was in der Ausübung ihres edlen Berufes sie hinderte, dagegen kämpften die