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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 86

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Über jüdische Ärzte
Date
1902-01-01
Page
Seite 86 (sequence 9)
Language
German
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86 großes Wissen erreicht hätten? Friedrich III. hatte einen jüdischen Arzt Loans, der dem großen Gelehrten und Humanisten Reuchlin Unterricht in der hebräischen Sprache ertheilte und der die Gunst des Kaisers in so hohem Maaße besaß, daß dieser noch auf seinem Todtenbette die Juden dem Wohlwollen seines Sohnes, des Kaisers Maximilian, empfahl. Zwar predigte man den Christen von ihren Kanzeln, daß es besser sei in Christo zu sterben, als mit Hülfe eines jüdischen Arztes eine Beute des Teufels zu werden, trotzdem sah sich der Kurfürst von Württemberg um dieselbe Zeit genöthigt, einem gewissen Hirsch, „judaeus promotus medicinae doctor“, freie Praxis zuzusichern und ihn von allen Abgaben zu befreien. Ein beredtes Zeugniß der Beliebtheit jüdischer Aerzte ist es, daß die jüdische Gemeinde zu Frankfurt a. M. unter der Bedingung Aerzte anstellte, daß es diesen ohne Wissen und Willen der Gemeinde nicht gestattet sei, die außerhalb Frankfurt wohnenden Grafen und Fürsten zu besuchen. Der hochmögende Rath von Frankfurt selbst wußte nicht, was er thun solle. Bald vertrieb er die Juden, um sie hernach wieder aufzunehmen und in Judenquartiere zu sperren, bald bedrückte er sie durch Judensteuern oder regelte durch Beschränkung der Judenehen ihre Zahl, aber in allen diesen Fällen sah er sich genöthigt, die jüdischen Aerzte zu schonen und ihnen verschiedene Begünstigungen zu gewähren. Ja noch mehr, im 15. Jahrhundert gelangte in Frankfurt eine jüdische Aerztin Zeslin als Augenärztin zu großem Ansehen, und daß sie kein Sonderling und kein Wunderthier von einem jüdischen Weibe mit kurz geschorenen Haaren war, daß vielmehr die geistig vornehmen Juden von der Pflege der ärztlichen Wissenschaft voll durchdrungen waren, beweist btv Umstand, daß während des ganzen 15. Jahrhunderts jüdische Aerztinnen Schulter an Schulter mit jüdischen Aerzten wirkten, daß sogar der Erzbischof von Würzburg im Jahre 1419 der Jüdin Sarah die ärztliche Praxis und den Erwerb von Liegenschaften gestattete. NichtzaubermächtigejüdischeKurpfuscherinnen, sondern regelrecht gebildete weibliche Aerzte waren sie, wie jene Rebekka, die eine absolvirte Schülerin der Universität Salerno war und über das Fieber und andere medizinische Fragen wissenschaftliche Arbeiten veröffentlichte. In diesen

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