Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Über jüdische Ärzte
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Maaße, ha selbst der Ruhm des bedeutendsten Arztes ihn kaum überlebt, sondern ich denke dabei an Jsak el Israeli, der im zehnten Jahrhundert, also zu einer Zeit, als die Magyaren in unser Land kamen, zu Bagdad als Arzt lebte und wirkte und dessen Buch über die Diät 600 Jahre später, im Jahre 1555 aus dem Arabischen ins Lateinische übertragen und zur Belehrung christlicher Aerzte in Leyden neu verlegt wurde. Kein Arzt unserer Zeit, und sollte sein Ruhm selbst die Welt füllen, darf es hoffen, daß man nach 600 Jahren seine Werke herausgeben, ja auch nur seinen Namen nennen werde. Aber der alte, hundertjährige Hagestolz Israeli hat sich dies prophezeit, indem er auf die Frage, warum er nicht heirathe, erwiderte, daß er vier Bücher verfaßt habe, welche seinen Namen länger erhalten werden als Kinder und Kindeskinder es vermöchten. Seine Hoffnung hat sich auch erfüllt. Während nämlich sein genanntes Werk 600 Jahre lebte, wurde eine halb ärztliche und halb religionsphilosophische Schrift Israelis erst im Vorjahre verlegt und überlebte so ihren Verfasser um volle 1000 Jahre. Aller Orten war das große Wissen der jüdischen Aerzte der Schlüssel zu ihrer großen Macht, und einer der unsterblichsten unter ihnen, Mose ben Maimon, als Maimonides in allen Welttheilen bekannt, der an den Höfen der spanisch-maurischen Könige und des Kalifen von Aegypten lebte und wirkte und des großen, siegesgewaltigen Sultan Saladin Leibarzt war, dieser große jüdische Arzt, von welchem sein arabischer College schreibt, daß er der Phönix der ärztlichen Kunst sei, Maimuni lehrt, daß derjenige, „der in seiner Krankheit nicht an einen wissenschaftlich gebildeten Arzt, sondern an einen praktischen Kurpfuscher sich wendet, dem gleicht, der zur Sturmzeit mit einem lecken Fahrzeuge auf die hohe See sich wagt: mitunter erreicht er sein Ziel, gehet aber zumeist zu Grunde". Nicht auf die Leichtgläubigkeit der Menge, sondern auf die eigenen, gewissenhaft erworbenen Kenntnisse stützten sich die jüdischen Aerzte; es ist. darum nicht zu verwundern, wenn in den ärztlichen Schulen, die iu Italien und Südftankreich entstanden sind, jüdische Lehrer der Medizin ihre eigenen Glaubensgenossen und auch Christen unterrichteten. Die in