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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 81

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Über jüdische Ärzte
Date
1902-01-01
Page
Seite 81 (sequence 4)
Language
German
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81 Judenthum, das die einfachsten weil menschlichen Rechte nur nach großen Kämpfen und nur durch Betonung der Wahrheit, daß alle Menschen gleich sind, oder wie Shylok sagt, daß auch wir Juden bluten, wenn man uns sticht, daß auch wir lachen, wenn man uns kitzelt, — erringen konnte, daß dieses Judenthum ein Verbrechen an sich selbst begeht und seine wahrsten Bestrebungen verleugnet, wenn es durch Adelsprädikate und Wappen aus der Reihe der Menschen sich erheben will. Und wenn wir im Almanach der Budapester Universität nur mehr einen Hörer der Medizin Namens Kohn finden, wenn unter uns kaum noch einer es weiß, wer sein Urahn war, und wenn er es weiß, es am liebsten vergessen möchte, wenn es heute unser sehnlichster Wunsch ist, und sei es als letzte in die Reihe der von Menschen verliehenen Aristokratie zu gelangen, dann ist es nicht überflüssig daran zu erinnern, daß die Juden schon längst die ersten waren in der von Gott verliehenen Aristokratie des Verstandes, des Geistes und des Charakters. Denn nicht nur der von uns dem bloßen Hörensagen nach gekannte Talmud meint, daß die Wissenschaft höher zu achten sei als selbst die fürstliche und hohepriesterliche Würde, nicht bloß Fr ein d sagt es, daß die jüdischen Aerzte die Fürsten der ärztlichen Wissenschaft im Mittelalter waren, sondern auch ein ganz moderner, einer der modernsten und größten aller christlichen Aerzte und Gelehrten, Vir chow, erklärte es bei dem jüngst in Rom abgehaltenen internationalen Aerztekongreß, „daß es erst jetzt ersichtlich wird, welch große Dienste die jüdischen Aerzte der Erhaltung und Pflege dieser Wissenschaft erwiesen haben, und daß die ererbte Befähigung der Juden für diesen Beruf auf diese Zeit zurückzuführen sei". Carmoly sagt, über jüdische Aerzte schreibend, daß die ärztlichen Studien bei den Juden deshalb zu einer „oäuoatiou nationale“ geworden sind, weil sie nur auf diesem Wege jenes Ansehen. und jene materielle Macht sich erwerben konnten, welche zum Schutze des unter vielfachem Drucke seufzenden Volkes erforderlich war. Diese alte Erfahrung der Juden, daß der ärztliche Beruf unter den ungünstigsten Verhältnissen und in der feindseligsten Umgebung die geistige Überlegenheit am besten sichert, wird heute auch von den zu den wilden Völkern ziehenden 6

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