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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 80

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Über jüdische Ärzte
Date
1902-01-01
Page
Seite 80 (sequence 3)
Language
German
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— 80 — geheilet sei." Dies Alles zeigt uns, daß Heilkunst und ärztlicher Beruf mitunter große, ja epochemachende Faktoren der jüdischen Geschichte geworden sind. Und so war es auch in der That. Durch die Lehren Jesu löste sich vom Judenthum eine Secte los, welche weit über die Grenzen der Länder und Völker hinaus eine neue Auffassung der jüdischen Religion, das Christenthum, verbreitete und als gleichzeitig - mit der Verbreitung der neuen Religion der alte Tempel des jüdischen Volkes zusammenstürzte, waren es gleichfalls die jüdischen Aerzte, die mit ihrem Wissen die Geisteswelt des zerstreuten Volkes erleuchtet und mit ihrer, durch Wissen erworbenen Macht ihre bedrückten, verfolgten, verachteten, unglücklichen Brüder oft beschirmt haben. Es wäre ein kühnes, ja unmögliches Unterfangen, wollte ich die in der Culturgeschichte der Völker zu großem Ruhme gelangten jüdischen Aerzte würdigen oder auch nur auszählen. Ich müßte da eine Riesenlitteratur in eine Nußschale pressen, und es wäre in dieser Fassung kaum ersichtlich, daß in den nun fast zwei Jahrtausenden jüdischer Geschichte, welche auf die christliche Aera entfallen, das Leben und Wirken der jüdischen Aerzte fast der einzige Lichtpunkt gewesen ist. Auch davon, was sie zur Verbreitung und Förderung des ärztlichen Wissens beigetragen, kann ich heute und hier unmöglich sprechen. In dem nothwendigerweise engen Rahmen meiner Erörterungen kann ich nur andeuten, wie jener Faktor beschaffen war, der einerseits in der mit Elend und Entbehrungen kämpfenden Judenschaft die für die Gesundheit der Seele nöthige körperliche Gesundheit pflegte, andererseits ein mächtiges Bindeglied war zwischen den Juden und jenen Völkern, von welchen sie durch ihre religiöse Abgeschiedenheit und durch den dauernden Haß dieser Völker getrennt waren. Aus dieser Skizze ergeben sich dann die Umrisse der jüdischen Geistesaristokratie von selbst. Dafür nun, daß ich hier den Hinweis auf die Aristokratie nicht vermieden habe, muß ich um Entschuldigung bitten. Vielleicht ist es aber nicht überflüssig — besonders in unseren Tagen nicht — wenn wir uns dessen besinnen, daß das

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