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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 75

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Moses und Michel Angelo
Date
1902-01-01
Page
Seite 75 (sequence 19)
Language
German
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75 M. Gewiß! Allein Du hast meine Füße bedeckt, und so wird leicht, wer die Hörner dort auf der Stirne sieht, sich den Fuß hinzudenken und auch den Schweif, der ja ohnehin nicht sichtbar wäre. Gewiß war das noch eine Reminiszenz vom Satyrkopfe! M. A. In der That nicht! Das ist reines Produkt der Unwissenheit, ein grammatikalischer Schnitzer! Man hat die Synonyma von Horn und Strahl leider im hebräischen Worte Keren nicht unterschieden, und die Jndogermanen kennen das Wort nur in seiner Bedeutung von Horn. M. Das läßt sich hören! Allein Dein künstlerischer Takt hätte Dich doch vor solchem widerwärtigen Mißgriffe schützen sollen. Ein Künstler Deines Kalibers und so ein aufrichtiger Katholik! M. A. Allein man sagte mir, daß dieses Wort auch im A. T. als Symbol der Kraft gebraucht wurde. M. Aber nicht einer Kraft solcher Art; was hättest Du sonst Deiner Christusbildsäule bei den Ketzerbratern für ein Gehörn aufsetzen müssen? Mich allein hat Deine Künstlerweisheit mit so einem zweideutigen Putze bedacht! Unsere Kraft ist weder die eines Stieres noch eines Bockes, wie des Gottes Hamun und Mendes, der Greuel Egyptens. M. A. Ich muß Dir vollkommen beipflichten! Aber mein Geist war .der meiner ganzen Zeit. Zu so sublimen Gedanken erhüben wir uns noch nicht. Wußte ich denn, was ich jetzt weiß. O, wie sehr wünschte ich Deine Stirne glatt wie meine! M. Also gleich und rasch ans Werk! Es ist bereits halb zwölf vorbei! Sind jene Hörnerknollen herunter, so sollst Du auch mein wahres Antlitz schauen! Der Meister streifte die Aermel auf, setzte den Meißel an und schwang den Hammer. Wie flogen rechts und links die Marmorsplitter! In wenig Momenten war alles vollbracht und er sprach: Weg sind sie! Du hast Deinen Willen! M. Soll ich Dir dafür danken, daß Du Deinen Fehler verbessert hast? Aber doch! Ich danke Dir, daß Du Dir und den Deinen einen guten Dienst geleistet. Ich hätte mich noch immer über Dich zu beklagen. Der Ausdruck des ganzen

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