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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 73

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Moses und Michel Angelo
Date
1902-01-01
Page
Seite 73 (sequence 17)
Language
German
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78 dem Geiste gemeißelt, in welchem Du Dich wohl abgebildet sehen mochtest? Aber wolltest Du nicht auch den Schleier lüften, damit ich den Ausdruck Deines wirklichen Angesichts sehen und mit meinem Phantasiebild vergleichen könne? Moseh. Bald sollst Du es schauen! — Doch zuvor beantworte mir eine Frage über Dein Meisterwerk; denn als solches wird es ja von aller Welt anerkannt und gepriesen. Ich möchte wissen, wann Du den abscheulichen Lockenmenschen in der Villa Ludovisi (wenn ich nicht irre), den man auch sür ein Capo d’opera ausgiebt, gemeißelt hast? Ob vor meinem Sitzbilde oder hinterher? M. Angelo. Ich habe den Satyr lange zuvor gearbeitet. M. Aber welches Werk hast Du kurz vorher unter Händen gehabt? Ich möchte das gerne wissen. M. A. Und weshalb? — Doch ich kann mir es schon denken. Du willst gern das Ideal kennen, das dem vorangegangen war, nach welchem ich Deine Bildsäule entworfen. Je nun! das war die nachher aufgegebene Bildsäule des liegenden Herkules, der eben sich in all seiner Kraft aufzuheben bemüht ist. Das war eine gewaltige Aufgabe, ein mächtiges Muskelspiel anzubringen, eine noch ganz neue. M. Was war denn die Ursache, daß Du diese Idee aufgabst und das^ Werk nicht gänzlich ausführtest, und dafür eine andere anfingst und ausführtest? M. A. Andere Aufträge; dringendere Beschäftigungen! Der Bau der Peterskuppel besonders! Doch warum sollte ich Dir es nicht offen gestehen? Ich hatte die Lust daran verloren, da warf ich den Plunder in einen Winkel, damit er mir nur aus den Augen komme. Diesen Heros, auf seine Keule, das Werkzeug seiner Thaten und sein Symbol der Kraft, gestützt, im Stehen ruhend, wie jenes Meisterwerk, dem ich die damals fehlenden Beine so ungeschickt ergänzte, so ein Ausruhen von seinen Arbeiten laß ich mir noch gefallen. Da steht er doch, aufrecht, mit noch schwellenden Muskeln; zwar senkt er seinen Kopf vor Müdigkeit, aber es war auch der Schluß des großen Cyklus seiner Mühseligkeiten. Er hatte eben jenem Ungeheuer in den Hesperiden-

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