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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 66

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Moses und Michel Angelo
Date
1902-01-01
Page
Seite 66 (sequence 10)
Language
German
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66 Wenn ich heute Papst würde, morgen flögen schon die garstigen Hörner herab! rief die junge Frau mit einer Begeisterung, die etwas Komisches barg. Morgen am Tage. Ei, wie entschlossen! sprach der Doktor. — Auch auf die Gefahr, daß dadurch die Bildsäule ihren hohen künstlerischen Werth verlöre? Auch auf diese Gefahr hin! antwortete sie mit festem, entschiedenen Ton. — Was gilt mir die Kunst, so hoch sie geschätzt werden muß, der einfachen Wahrheit, der Gerechtigkeit, der schlichten Religion gegenüber? Wer möchte es vertreten, daß einem hohen Menschen, daß dem Bilde eines göttlichen Mannes, wie uns Moseh dasteht, ein so häßlicher Schabernack angethan wurde, daß man ihm, wie den alten Satyrn und Faunen, ein Merkmal von Thierheit aufheftete? Du hast recht, meine Tochter! nahm Herr Elias mit inniger Zufriedenheit das Wort. — Ich sehe Dich gerne so in Deinem Eifer. Das ist ein echter und heiliger Eifer, mehr werth, als alle Glätte und Macht einer täuschenden, verführerischen Kunst. Ich habe es so recht an einer, mir sonst sehr werthen Künstlerin meiner Bekanntschaft erfahren, die in Rom aus einer eifrigen Protestantin eine noch eifrigere Katholikin geworden war, und nunmehr alles, was sie ftüher weit wegwars und verspottete, mit einer Inbrunst umfaßte, die mich oft, je fester ich von ihrer Wahrhaftigkeit überzeugt war, nur um desto mehr an ihrem Geiste irre werden ließ. Mit dieser begabten, geistvollen Dame sprach ich auch einmal, da wir eine Mappe voll Lichtbilder durchblätterten, über denselben Gegenstand, den Moseh von M. Angelo. In dem Lichtbilde von dieser Statue ist, als ob das wunderbare Spiegelbild das Häßliche nur noch stärker in die Augen fallend habe machen wollen, eine unverhältnißmäßige Verlängerung jener beiden knolligen Auswüchse auf der Stirn Mosehs entstanden. Ich bemerkte dies und das Garstige des Bildwerkes überhaupt, wie wir es soeben besprochen haben; sie aber entgegnete mit einem Anflug feiner Ironie: Ich finde, daß ihm die Hörner nicht fehlen dürsten; sie sind eben hier durchaus charakteristisch! — Ja, erwiderte ich mit innerlichem Zorn, weil Moseh doch immer nur ein Jude war. — Nun,

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