Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Moses und Michel Angelo
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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65 viel von sich reden, die durch einen Druckfehler in der Pharmakopoe veranlaßt wurde. Er starb an einer zu großen Gabe Fingerhutpulvers, da sein unwissender Arzt ohne Skrupel nach jener Pharmakopoe verschrieb, welche einen Druckfehler statt eines Grans, des 20. Theils, enthielt. Der Landgraf verlor sein Leben und der Physikus sein Amt und die Berechtigung zur Praxis. Diese Wirkungen von Druckfehlern, Pünktchen, die von Fliegen in alte Manuskripte hineingesetzt waren, lassen sich beträchtlich vermehren, diese aber, mit der Geschichte des Gehörnes auf der Stirn des Moseh, genügen, sollte ich meinen. Diesen Schnitzer, der dem Propheten den alten Götterkopfschmuck zuzog, will ich Ihnen gleich deutlich machen. Es kam Moseh das zweite Mal mit seiuen zwei Tafeln den Berg herab und da strahlte sein Angesicht von göttlichem Abglanze dergestalt, daß es die Israeliten seiner Umgebung blendete und sie ihn ersuchten, mit einem Schleier sein Antlitz zu bedecken: Das Wort Strahlen, ein Zeitwort, dem der Strahl, Keren, entnommen ist (jenes aus diesem), heißt auch wegen der Analogie und weil man es auch als eine Ausstrahlung von der Stirnhaut betrachtet, ein Hornin letzterer Bedeutung ist dies Wort in die indogermanischen Sprachen übergegangen, so in die griechische Keras, die lateinische Cornu, und in alle von diesen abstammenden Idiome, und selbst im deutschen Horn will man die althebräische Wurzel wiedererkennen. Sie sehen also leicht ein, daß Jemand, der nicht besonders im Hebräischen bewandert war, weit eher an die Hörner, als an Strahlen denken konnte, wenngleich das Wort, das an jener Stelle gebraucht ist, das Verbum ist, und deshalb durch Hörnen, etwas für Horn erzeugen, übertragen werden mußte, was indeß sinnlos wäre. So ist das Hörnerpaar aus einem schlechtverstandenen hebräischen Worte entstanden, das sich bis in die heidnische Mißgestalt des größten der neueren Bildhauer geltend gemacht hat. M. Angelo hat aus seinem Moseh einen bärtigen, gehörnten indischen Bacchus, den Sabazius, oder Bassareus, den Fleischgott, wie einige dies Wort erklären, verunstaltet, einen Sardanapalus, unter welchem Namen man ihn unter Roms antiken Marmoren wiederfindet. o