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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 64

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Moses und Michel Angelo
Date
1902-01-01
Page
Seite 64 (sequence 8)
Language
German
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64 Alle lachten über den drolligen Zornausbruch-der blonden Katharina, bei dem ihre Wangen ordentlich zu glühen anfingen. Ihr Gatte umarmte sie, drückte ihr einen Kuß auf die scheltenden Lippen und sagte: Und doch ist eben jener Mos eh von M. Angelo das schönste Bildhauerwerk der modernen Kunst des Mittelalters! Aber erst darum ärgert es mich nur um desto mehr! fuhr sie in gleichem Tone fort. O, ich könnte dem Künstler recht von Herzen böse sein. Das dürfen Sie nicht, meine Gute, versetzte der Doktor. Denn Michel Angelo's Schuld war es nicht; es war die Schuld eines mißverstandenen hebräischen Ausdruckes, also der nicht-hebräischen Bibelerklärer. Sie wissen, wie Vieles von einem Druckfehler schon an Lächerlichkeiten und an Unheil angerichtet worden ist! Von einem kleinen, zweifelhaften Querstriche in dem griechischen O hing es ab, daß man aus dem Menschensohne eine Gottheit machte, ob man nämlich Os oder Theos las. Im gewöhnlichen Texte heißt es: Gott erschien im Fleische; dies ist die Lesart nach einem alexandrinischen Kodex, während nach anderen Handschriften, in denen das Strichlein im O fehlt, der Satz also lautet: Welcher erschien-im Fleische, im Geiste gerechtfertigt wurde rc. Von einem daseienden oder fehlenden Oder im 159. Artikel der Karolina hängt es ab, ob ein Mensch eingekerkert wird, oder nicht. Ein gleiches merkwürdiges Beispiel hat uns der bekannte Romanschriftsteller Manzoni in seiner Geschichte der Schandsäule (Coloima infame) aufbewahrt. Dort wird ein berühmter Rechtsgelehrter, der gegen die Tortur schrieb, angeführt, Jl Verri ums Jahr 1780. Ein Anderer, Claro mit Namen, behauptet das schnurgerade Gegentheil von Verri, der wahrscheinlich durch einen Druckfehler, durch die Nachlässigkeit des Setzers, in den Jrrthum verfallen sei. Der Setzer setzte: hl am sufficit adesse aliqua indicia contra renm ad hoc — statt: Non sufficit, wie es in der vorangehenden Ausgabe gedruckt steht. Diese Vertauschung des Wörtchens Non mit dem Nam, nicht statt denn, brachte den Unschuldigen aus die Folter und seinen Namen an die Schandsäule. Noch in meiner Jugendzeit machte eine Vergiftung des Landgrafen 36.

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