Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 36)
- Language
- German
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54 Schrift: Auf nach Zion darzuthun, daß „der Litteralsinn der heiligen Texte unabweislich fordere, daß Israel nach Palästina heimkehre und Jerusalem der Mittelpunkt des ewigen Gottesreiches auf Erden sein wird". Die Schrift ist übrigens charakteristischer Weise von allen antisemitischen Velleitäten frei; sie ist, wie Herr Rohling im Vorwort ankündigt, die Antwort aus ein: französisches Werk über die Zukunft Jerusalems, das Abbe August Lemann, (der Name klingt etwas verdächtig), in Lion veröffentlicht hat und in welchem die einschlägigen Bibelstellen „übermäßig spiritualistisch" gedeutet worden seien. Größeres Aufsehen als diese hat in Frankreich ein Buch von M. Muret erregt: L’esprit juif; essai de psychologie ethnique. Muret sucht wissenschaftlich nachzuweisen, daß die Juden eine besondere Denkweise haben, die sie von den arischen Völkern scharf unterscheidet. Diesen besonderen Geist sucht er an Spinoza, Heine, D'Jsraeli, Marx, Brandes und Nordau zu charakterisieren. Etwas Neues ist auch in dieser Schrift nicht geboten. Da wir gerade bei den Franzosen sind, will ich auch die deutsche Ausgabe des Buches von Josef Reinach: Geschichte der Affaire Dreyfus, auf Grund des amtlichen Aktenmaterials dargestellt, noch erwähnen. Die Lage der Juden in Rumänien hat diesmal eine ganze Litteratur hervorgerufen. Das wichtigste Werk derselbenist das von Edmond S in cerus: Les juifs en Roiimanie depuis le traite de Berlin jusqn’ä ce jour. Das Buch behält dauernden Wert, da ja leider kaum vorauszusehen ist, wann die Verhältnisse in diesem unglückseligen Lande sich einmal bessern werden. Etwas derber faßt die Sache ein Anonymus, der unter dem Namen S. Jericho-Polonius schrieb, in seiner Broschüre: China auf der Balkanhalbinsel an. Den Empfindungen, welche jeder Kulturmensch angesichts der traurigen Lage unserer Glaubensbrüder in dem klassischen Lande des Judenhasses hegt, hat I. Plotke in einer kleinen, aber inhaltsreichen Schrift treffenden Ausdruck verliehen. Im gegnerischen Sinne faßt die Frage Paul Dehn auf, dessen Schrift: Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage ein merkwürdiges Zeugnis von Begriffsverwirrung und falscher Auffassung darbietet. Die polnische Judenfrage